5. Mai 2021
Wentorf

Jeden Tag Natur pur

Internationaler Tag des Waldkindergartens

Wald

Die meisten Waldkindergärten haben einen Bauwagen, der Schutz bei Extremwetter bietet – Die Waldfüchse aus Reinbek und Wilma, Therapiehund in Ausbildung, wissen das zu schätzen Foto: Kuhlmann

WENTORF/REINBEK In den 1950er Jahren wurde der erste Waldkindergarten in Dänemark gegründet. In Deutschland fand diese Idee erst in den 1990er Jahren Anklang. Seit 2018 wird der Internationale Tag des Waldkindergartens am 3. Mai hierzulande meist mit Aktionen begangen.
In den Waldkindergärten ist auf den ersten Blick vieles im Vergleich zu anderen Kindergärten gleich. Kinder spielen, lernen, basteln, toben und singen. Der Unterschied besteht jedoch vor allem darin, dass der Waldkindergarten bei Sonne, Wind und Wetter draußen im Freien stattfindet und eine große Nähe zur Natur gelebt wird. Hier gibt es viel Platz für Fantasie und Gemeinschaft.
Sophia Stemmler-Huneck ist Erzieherin und leitet den Waldkindergarten in Reinbek, den es seit 2006 gibt. 26 Plätze stehen hier für Kinder von drei bis sechs Jahren zur Verfügung. Täglich sammeln sie auf ihren Spaziergängen auch Müll und klären über die Umweltverschmutzung auf. Über den Jahresverlauf leben sie mit den Jahreszeiten, ob Apfel, Laterne oder Waldweihnacht. Der 3. Mai wird in diesem Jahr der Tag der Bienen. Die Kinder lernen über den Lebenskreislauf der Kleintiere, bauen ein Insektenhotel und runden das Thema mit einer Blühwiese ab.

Entwicklung fördern

Alles läuft nach dem wildnispädagogischen Konzept, eine Umweltbildung bezogen auf Wald und Forst. „Bei uns können sich die Kinder mit der Natur entwickeln“, so Stellmer-Huneck. Im Mittelpunkt stünden das soziale Lernen und die Bewegungsentwicklung. „Die Kinder sind sehr weit in ihrer motorischen Entwicklung. Wir sind ständig in Bewegung, laufen über Stock und Stein und klettern viel“, so die Leiterin der Reinbeker Kita. Ihnen sei bestätigt worden, dass Kinder aus dem Waldkindergarten in der Grundschule durch besonders gutes Sozialverhalten auffallen.
Das unterstreicht auch Alena Kempf-Stein, Geschäftsführerin des Waldkindergartens in Wentorf. Vor über 16 Jahren hatte sie die erste Begegnung mit der Einrichtung. „Ich erinnere mich an einen kleinen Ausflug, den meine damals zweijährige Tochter und ich begleitet haben. Wir setzten uns einzeln unter Bäume, waren eine Zeitlang still und jedes Kind berichtete von den Geräuschen, Bildern und Erlebnissen, die sie in der stillen Zeit hatten. Ich war beeindruckt, was die Kinder alles wahrgenommen haben“, so Kempf-Stein. Seitdem ist sie Feuer und Flamme für das Konzept. Am 3. Mai wird es hier allerdings kein Extra-Programm geben: „Im Moment sind wir froh, wenn wir alle Kinder betreuen können.“ Mit den Eltern zu feiern sei unter Pandemiebedingungen gerade nicht möglich. Aber ein besonderer Tag wird es hier trotzdem sein. Die Natur hat immer eine Überraschung parat.

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