30. April 2021
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Ohne Internet abgehängt

Corona: Test-Termine nur online buchbar. Senioren fühlen sich im Stich gelassen

Brigitte Garcia kann das Testzentrum von ihrem Fenster aus sehen, ein Test ist für sie aber nicht möglich, denn sie hat kein Internet Foto: Grell

HAMBURG-MITTE Das Corona-Testzentrum auf dem Rothenburgsorter Marktplatz kann Brigitte Garcia (74) von ihrem Fenster aus sehen, testen lassen kann sie sich dort aber nicht, denn sie hat kein Internet.

„Ich fühl mich nun wirklich veräppelt“, ärgert sich die Seniorin, die an mehreren Vorerkrankungen leidet und es aufgrund des fehlenden Zugangs zum Internet bisher nicht geschafft hat, einen Corona-Test oder einen Impftermin zu bekommen. Die Liste der Krankheiten, unter denen Brigitte Garcia seit Jahren leidet, ist lang und sie gehört auf jeden Fall zur Risikogruppe, dennoch erhält sie kaum Unterstützung. Telefonisch ist sie in den vergangenen Wochen nicht ein einziges Mal bei der Hotline für Impfwillige durchgekommen und auf Nachfrage beim Testzentrum vor ihrer eigenen Haustür nach einem Termin wurde sie mit Hinweis auf die Online-Registrierung abgewiesen.

„Was sollen wir Älteren denn machen, wenn wir nicht einmal einen Computer oder ein Smartphone besitzen?“ Von Freundinnen weiß die Rentnerin, dass in den meisten Fällen die Enkel die Termine für ihre Großeltern vereinbart haben. „Ich habe bei der Teststation auf dem Marktplatz schon mehrfach angefragt, ob ich keinen festen mündlichen Termin bekommen könne“, bedauert Brigitte Garcia. Dass sie nicht spontan getestet werden kann, wenn gerade „überhaupt nichts los ist“, kann die Anwohnerin nicht verstehen. Fast jeden Tag in der Woche habe sie einen Arzttermin und müsse mit Bus und Bahn in Hamburg unterwegs sein. „Da ist die Gefahr einer Ansteckung mit Covid 19 doch extrem groß“. Brigitte Garcia fühlt sich diskriminiert aufgrund ihrer Situation.

Ihre Hausärztin kann ihr im Augenblick keine passende Impfung anbieten und ist mit dem Testen neben der laufenden Sprechstunde auch überlastet. „Auf einen Test „werde ich dann wohl ganz verzichten müssen“.
Brigitte Garcia klagt die Politik an und ist sich sicher, dass sie damit für viele andere ältere und kranke Menschen spricht, denn nicht nur das fehlende Internet ist ihr in der Krise zum Verhängnis geworden, „Wir haben auch keinen Reha-Sport mehr, weil alles dicht gemacht hat und unsere Gesundheit leidet extrem darunter“. Sie ist sich sicher: „Wir alten Menschen sind irgendwie abgeschoben und vergessen worden“.

Die einzige Stellungnahme der Sozialbehörde zu dem Fall: „Die Möglichkeiten sollen noch weiter ausgebaut werden“, so Sprecherin Anja Segert. Wann das passieren soll, ist nicht bekannt. Brigitte Garcia wartet weiter auf einen Test oder eine Impfung. Wie der aktuelle Stand aussieht, erfährt sie dabei nur durch Zufall, denn sie hat keinen Zugang zu allen Medien, „aber das kann heute wohl niemand mehr verstehen“.

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