7. Mai 2022
Niendorfer Wochenblatt

Schulneubau in Schnelsen

Pläne für Schulcampus verunsichern Anwohner

Der neue Schulcampus Schnelsen soll südlich des Ellebeker Weges und westlich der Holsteiner Chaussee auf den stadteigenen Flächen (grün) entstehen Quelle: Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung/Grafik WBV, Kühn

SCHNELSEN In Schnelsen fehlt seit Jahren eine zweite weiterführende Schule. Der nun festgelegte Standort stößt jedoch nicht bei allen auf Begeisterung. Das zeigt die erste öffentliche Plandiskussion. Grund für den Neubau sind die seit Jahren steigenden Geburtenraten.
Proppenvoll war das Freizeitzentrum Schnelsen Ende April, als Vertreter vom Bezirksamt Eimsbüttel und der Schulbehörde den Bebauungsplan-Entwurf „Schnelsen 97“ für den Neubau eines Schulcampus vorstellten. Die weiterführende Schule wird mit bis zu sieben Klassen pro Jahrgang geplant. Dazu Schulhof, Sporthallen und Außensportflächen.

Die neue Schule soll südlich vom Ellerbeker Weg, westlich der Holsteiner Chaussee und östlich der AKN-Bahnstrecke bzw. künftigen S21-Linie zwischen den Haltestellen Schnelsen und Burgwedel entstehen.

Die neue Schule mit Platz für bis zu 1400 Schüler soll gymnasiale Klassen und Stadtteilschulklassen anbieten. Diskutiert wird ein Bau in Etappen, so dass schon 2027 die ersten Fünftklässler den Schulcampus Schnelsen besuchen könnten. Geplant ist, die Schule für die Stadtteilnutzung zu öffnen, etwa für Sportvereine oder VHS-Kurse.

Diese Pläne brauchen Platz und den bietet laut dem Bezirksamt Eimsbüttel das knapp 6 Hektar große Plangebiet „Schnelsen 97“, auf dem die Bebauung der neuen Schule 2,5 Hektar einnehmen soll.
Viele der direkten Anwohner und künftigen Campus-Nachbarn haben große Bedenken und Sorgen mit Blick auf den Schulneubau, der an ihre Grundstücke und Gärten angrenzen wird. Für eine erste Verunsicherung sorgte die Anfrage eine Immobilienverwalters, der im Auftrag der Stadt eine Ankaufsanfrage stellte. Die Angst vor einer „Enteignung“ machte die Runde.

Keine Enteignung

Das verneinte Jan Philipp Stephan, Leiter des Stadtplanungsamtes Eimsbüttel. Die städtische und frei verfügbare Fläche sei bislang ausreichend, so Stephan. Zudem sei die Stadt in Verhandlung über den Kauf einer Fläche, die zwischen den AKN-Gleisen und der geplanten Baufläche liegt. Es gelte aber die „Vorkaufsrechtsverordnung“, so dass die Stadt Hamburg bei Verkäufen von Grundstücken ihr Vorkaufsrecht ausüben könne. Welche weiteren Flächen in Schnelsen noch zur Auswahl standen, machten die Bezirksmitarbeiter nicht transparent.Auf Nachfrage von Bürgern wurden aber die Grundschule Anna-Susanna-Stieg sowie die Grünfläche an der A7/Vielohweg als alternativer Standort ausgeschlossen.
Das 30 Hektar Landschaftsschutzgebiet am Vielohweg wolle die Stadt als grüne Landschaftsachse erhalten.

Tempo30-Zone?

Auch die Themen Lärmschutz, Artenschutz, Baumbestand und -erhalt, Entwässerungskonzept und Überflutungsnachweis standen bei den Bürgern auf der Agenda. Die Gutachten zu diesen Fragen stünden noch aus, so die Bezirksamtsmitarbeiter. Diese würden parallel zum geplanten Wettbewerb für den Neubau durchgeführt. Der angepasste Bebauungsplan-Entwurf werde dann öffentlich ausgelegt.
Die Frage nach einem Verkehrskonzept rund um den Schulneubau wurde besonders kontrovers diskutiert. Wie wird der zusätzliche Verkehr zur Schule geregelt? Wird es einen Tempo-30-Abschnitt in der Holsteiner Chaussee geben? Mit welchen Maßnahmen wird ein mögliches morgendlichs Verkehrschaos in der kleinen Wohnstraße Ellerbeker Weg (Stichwort „Elterntaxi“) verhindert?
Werden Rad- und Gehwege rund um die Schule instandgesetzt? Auf diese Fragen gab es an diesem Abend keine konkreten Antworten. Die Fragen nach einem integrierten Verkehrskonzept, das die Entwicklungen im RISE-Gebiet inklusive Schulneubau berücksichtigt, werden in die weitere Planung einfließen, sicherten die Bezirksamtsmitarbeiter zu.

„Schnelsen 97“: https://bit.ly/3vGhsjn; Schulentwicklungsplan 2019: http://bit.ly/2VS98vE

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