19. November 2022
Schnelsen

Verkehrslösung für Schnelsen? Fehlanzeige!

Senat sieht trotz großer baulicher Veränderungen keinen Bedarf für ein Gesamtkonzept

DHL

Das DHL-Logistikzentrum, im Sackgassenbereich der Straße Flagentwiet, soll Anfang 2023 in Betrieb gehen Foto: nw

SCHNELSEN Schnelsen steht vor großen baulichen Veränderungen. Infolgedessen wird auch der Verkehr weiter zunehmen. Ein integriertes Mobilitätskonzept, das alle Entwicklungen im Gesamten löst, ist aber nicht geplant.

Für den Stadtteil gibt es umfangreiche Bebauungspläne. Dazu zählen unter anderem das DHL-Logistikzentrum (Flagentwiet), der Recyclinghof (Kulemannstieg), der Schul-Campus (Holsteiner Chaussee/ Ellerbeker Weg), die Portalwache (Schleswiger Damm) sowie neue Wohn- und Gewerbeflächen (Frohmestraße/Wählingsallee).

Das Problem: Seit Jahren leben die Schnelsener mit überfüllten Straßen und Stausituationen. Die Lage verschärft sich durch Lkw- und Autofahrer, die statt der A7 u.a. Holsteiner Chaussee/ Flagentwiet und Schleswiger Damm als Ausweichstrecken nutzen. Vor diesem Hintergrund hat die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Silke Seif eine Große Anfrage an den rot-grünen Senat nach einem Gesamtverkehrskonzept für Schnelsen gestellt.

Zwar gibt es einzelne Verkehrsgutachten. Aber: „Die Behörden planen offenbar nur bauhabenbezogen und damit weiterhin in Flickenteppich-Manier. Ein Gesamtverkehrskonzept sei nicht erforderlich, so der Senat“, sagt Seif. Auch die CDU-Bezirksfraktion Eimsbüttel fordert seit Monaten ein Gesamtkonzept für die Projekte Schul-Campus, DHL-Anlage und Recyclinghof, da die drei künftigen Verkehrsströme durch die räumliche Standortnähe zusammentreffen. „Eine Einzelbetrachtung der drei Projekte ist grob fahrlässig, da beispielsweise Schule und DHL morgens gleichzeitig starke Verkehre auf den gleichen Straßen erzeugen“, sagt CDU-Bezirksabgeordneter Andreas Stonus.

Seine Fraktion hatte bereits im Mai 2021 in einem gemeinsamen Antrag mit den Eimsbütteler Grünen und SPD die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) von Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) aufgefordert, ein Gesamtverkehrskonzept im Bereich Holsteiner Chaussee, Oldesloer Straße, Pinneberger Straße und im Gebiet Flagentwiet/ Kulemannstieg zu erstellen. Im Juli 2021 unterstütze die BVM in einer Stellungnahme, „die Auffassung, dass die geplanten Entwicklungen gesamthaft betrachtet werden sollten“.

Das scheint nun obsolet. Es soll eine „verkehrstechnische Untersuchung“ für die Standorte von DHL und Recyclinghof vorliegen, ein „Gesamtverkehrskonzept ist nicht geplant und nicht erforderlich“, teilt der Senat im Oktober 2022 mit. „Damit wird der neue Schul-Campus nicht berücksichtigt“, sagt Silke Seif. Für die neue Schule sei laut Senat zwar eine verkehrstechnische Untersuchung geplant. Das erfolge aber offenbar getrennt vom Verkehrsgutachten der Stadtreinigung Hamburg für den neuen Recyclinghof und das DHL-Zentrum.

Für das RISE-Fördergebiet Frohmestraße/Burgwedel sowie die Hauptverkehrsstraßen haben die Behörden ein „Nahmobilitätskonzept“ für Fußgänger und Radfahrer und ein „Verkehrs- und Freiraumkonzept Frohmestraße“ angeschoben. Weitere Verkehrskonzepte sind nicht geplant. Das betrifft offenbar auch die neue Portalwache (Schleswiger Damm).

„Es ist bedauerlich, dass es für die Menschen im Nordwesten kein Gesamtkonzept gibt, das alle Verkehre in ihrer ganzen Komplexität umfassend berücksichtig“, sagt Silke Seif. Auch deshalb fordert die CDU im Regionalausschuss mit einem weiteren Antrag erneut ein Gesamtverkehrskonzept.

Große Anfrage Gesamtverkehrskonzept Schnelsen: bit.ly/3EeyJ7g; Antrag RaLoNiS mit BVM-Stellungnahme: bit.ly/3NSgqrQ

Seif
Silke Seif, CDU-Bürgerschaftsabgeordnete aus
CDU Eimsbüttel Foto: Büro Seif/Koch

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