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7. Januar 2023
Schnelsen

Böller oder Applaus für die Einsatzkräfte

Freiwillige Feuerwehr zieht Einsatzbilanz

Ein Vogelschreck-Böller drang durch die dicke Brandschutzkleidung eines Feuerwehrmannes und verursachte Verbrennungen am Oberschenkel Foto: GettyImages / FF Schnelsen

SCHNELSEN/NIENDORF So unterschiedlich ist die Bilanz der Silvesternacht in den beiden Stadtteilen: Während in Schnelsen Feuerwehrleute mit Feuerwerkskörpern beschossen wurden, ging es in Niendorf vergleichsweise eher friedlich zu.

In Schnelsen kam es in der Silvesternacht – so wie in anderen Stadtteilen auch – zu einem Angriff mit Feuerwerkskörpern auf die Freiwillige Feuerwehr. Die Kamerad/-innen waren gegen 22.20 Uhr in die Straße Vörn Brook gekommen, um den Brand mehrerer brennender Mülleimer zu löschen. „Ein Vogelschreck-Böller drang dabei durch die dicke Brandschutzkleidung eines Feuerwehrmannes und verursachte Verbrennungen am Oberschenkel, ein weiterer Kamerad erlitt ein Knalltrauma“, berichtet Marco Niederkleine, Wehrleiter der FF Schnelsen. Er verurteilt den Angriff scharf: „Als Wehrführer und langjähriges Mitglied der freiwilligen Feuerwehr bin ich total entsetzt und fassungslos über das aggressive Verhalten gegenüber Einsatzkräften, die ausrücken, um Menschen in einer Notlage zu helfen.“
Glücklicherweise gehe es beiden Kameraden wieder besser, es hätte aber schlimmer kommen können. Eine Verletzung der am Einsatz beteiligten Kamerad/-innen sei hier bewusst in Kauf genommen worden, so Niederkleine am Montag.

Gleichzeitig betont er, dass das Verhalten Einzelner nicht verallgemeinert werden könne. „Wir erhielten als Reaktion auf unseren Facebook-Bericht sehr viele Genesungswünsche, Zuspruch und auch Dank. Das zeigt mir, dass viele unser Ehrenamt noch zu schätzen wissen, und dafür möchte ich mich auch ausdrücklich, im Namen aller betroffenen Kamerad/-innen, bedanken. Ich hoffe, dass diese öffentliche Diskussion zum Nachdenken anregt und ermutigt, das eigene Verhalten zu reflektieren.“ Die FF Schnelsen rückte in der Silvesternacht zu fünf Einsätzen aus.

Überwiegend positive Bilanz in Niendorf

Anders als in Schnelsen und weiteren betroffenen Stadtteilen fällt die Einsatzbilanz der Freiwilligen Feuerwehr Niendorf aus, und zwar überwiegend positiv.

Insgesamt mussten die freiwilligen Helfer/-innen neunmal in der Silvesternacht und auch bereits am Vortag ausrücken – das entspricht in etwa dem Vorjahresniveau. Bei den Einsätzen handelte es sich ausschließlich um Sachschäden mit der Brandbekämpfung von Müll- und Papiercontainern sowie herumliegendem Unrat. Personen kamen nicht zu Schaden.
Mit Anfeindungen wurden die Feuerwehrleute dabei nicht konfrontiert. Im Gegenteil: „Sehr schön war, dass die an den Straßen feiernden Menschen uns nach erfolgreicher Brandbekämpfung durch Applaus gedankt haben“, freut sich Wehrführer Tobias Höppner.

Einschränkend fügt er hinzu, dass auch die Niendorfer Wehr bereits gezielte Böllerwürfe erlebt habe, wenn sie an Gruppen vorbei zu Einsätzen fährt. Das sei jedoch sehr selten und die Ausnahme.

Einen direkten Angriff auf Einsatzkräfte gab es in Niendorf in der Silvesternacht dann aber doch. In der Straße Bei St. Ansgar wurden kurz nach Mitternacht ein Notarzt und ein Notfallsanitäter im Einsatz körperlich angegriffen. Der Angreifer konnte fixiert und der Polizei übergeben werden.

Foto: FF Schnelsen

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