7. Mai 2022
Niendorf

Gelungene Aktion im Niendorfer Gehege

Das sagt die Politik zum Durchgangsverkehr

Im Niendorfer Gehege war – fernab von jeglichem Autolärm – richtig viel los Foto: kh

NIENDORF Mit spannenden Aktionen für Kinder, Lastenrädern zum Ausprobieren, einer Waldführung, Pflanzenmusik und frischen Waffeln wurde die temporär gesperrte Straße Niendorfer Gehege am vergangenen Sonntag zur Eventmeile.

Die Akteure wollen damit ein Zeichen setzen, die Straße dauerhaft für den Kfz-Durchgangsverkehr zu sperren. Resonanz gibt es dazu von Lokalpolitikern und unseren Lesern. „Wenn man bedenkt, wie kurzfristig die Aktion organisiert wurde, haben wir gemeinsam mit den anderen Akteuren ein vielfältiges und von den Besucher/-innen begeistert angenommenes Aktionsbündel geschaffen“, so Susanne Egbers, Vorsitzende des Vereins Pro Niendorfer Gehege. „Wir unterstützen jetzt jede weitere Überlegung, um die Aufenthaltsqualität im Wald zu verbessern und freuen uns auf den weiteren Dialog.“

Volle Unterstützung erhalten die lokalen Akteure von den Grünen. „Wenn wir sehen, wie sehr es viele Menschen genossen haben, ihren Wald in Ruhe zu erleben, dann bestärkt uns das in unserem Ziel, das Gehege langfristig vom Durchgangsverkehr zu befreien“, meint Sebastian Dorsch, Grünen-Sprecher im Regionalausschuss.

Die CDU äußert dagegen Bedenken: „Eine dauerhafte Sperrung würde dazu führen, dass die Verkehre sich in andere Bereiche, wie die Niendorfer Straße oder Heidlohstraße verlagern“, so CDU-Fraktionsvorsitzender Rüdiger Kuhn. Ähnlich sieht das die SPD: „Die Straße hat nicht nur lokale Bedeutung – sie verbindet Stadtteile miteinander“, meint die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Ines Schwarzarius, die sich aber grundsätzlich diskussionsbereit zeigt.

Zu bedenken sei ihrer Meinung nach auch, dass mobilitätseingeschränkte Personen Zugang zum Niendorfer Gehege haben und Anwohner jederzeit zu ihren Wohnungen gelangen sollen. Als mögliche verkehrsberuhigende Maßnahme hatte sich die SPD erst vor wenigen Monaten für ein Überholverbot für Zweiräder eingesetzt (eine Umsetzung wird derzeit geprüft).

Die CDU würde zusätzliche Einengungen auf der Straße unterstützen, um die Durchfahrt unattraktiv zu machen. Lösungsvorschläge haben auch die Grünen: „Die Straße soll auf beiden Seiten befahrbar bleiben. Auf Höhe des Waldcafés gäbe es aber eine Durchfahrtssperre, im Idealfall in Form eines versenkbaren Pollers.“ So könnten hier auch Busse verkehren. Die Grünen schlagen vor, eine Buslinie einzurichten, die Niendorf mit Eidelstedt und Stellingen verbindet. Mit einem Antrag in der Bezirksversammlung werden sie das Thema nun weiterverfolgen.

Durchfahrtsperre im Niendorfer Gehege? Das sagen die Leser/-innen
PRO

Begrüßenswert
Als Anwohner des Niendorfer Geheges würden wir eine Durchfahrtssperre sehr begrüßen, obwohl wir dann Umwege für unseren Einkauf in Eidelstedt in Kauf nehmen müssten. Als wir 1986 hier einzogen, war die Straße Niendorfer Gehege eine relativ ruhige Seitenstraße. Wir waren deshalb vor 25 Jahren auch gegen eine Sperrung der Straße. Aber inzwischen herrscht hier so viel Verkehr, dass wir zu den Hauptverkehrszeiten kaum aus unserer Auffahrt heraus kommen und beim Einparken ständig an gehupt und beschimpft werden. Zudem fahren vermehrt Laster und sogar Schwerlastverkehr durch die Straße, die dafür gar nicht ausgelegt ist.
Claudia und Rainer Köppen

Aufwertung
Ich bin grundsätzlich absolut dafür, die Straße für den Durchgangsverkehr zu sperren, da ich mir hiervon eine weitere Aufwertung des Geheges verspreche. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass eine Zufahrt zum Waldcafé Corell gewährleistet sein sollte, da dies ein beliebtes Ausflugsziel ist, gerade auch für ältere Menschen ist.
Barbara Steffen

Wunschvorstellung
Ich halte mich oft im Niendorfer Gehege auf und bin definitiv für eine Sperrung der Straße Niendorfer Gehege, das wäre meine Wunschvorstellung. Häufig fahre ich auf meiner Trainingsrunde mit dem Rennrad durch das Niendorfer Gehege. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass der Verkehr in den letzten Jahren leider auch dort zugenommen hat. Zudem halten sich nur wenige Autofahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h. Wären hier nicht Maßnahmen wie Pflanzkübel oder ähnliches eine Möglichkeit?
Annette Demandt

Blechlawinen
Nicht nur die Durchfahrtstraße sollte autofrei werden – auch die vielen Autos der Besucher des Wildgeheges sind sehr störend. Besonders an Wochenenden und Feiertagen entsteht dort regelmäßig eine gigantische Blechlawine. Das Niendorfer Gehege ist bestens mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Eine Ausnahme bilden natürlich die Anwohner und die Schrebergärtner und wer sonst noch einen festen Platz im Gehege hat. Es ist nicht akzeptabel, dass die vielen Besucher mit ihren Autos das Niendorfer Gehege vollstellen.
Jürgen Weiß

CONTRA

Nur am Wochenende
Die Auswirkungen einer totalen Sperrung des Niendorfer Gehege spürt man zurzeit sehr deutlich. In der Heidlohstraße bricht der Verkehr gerade im Berufsverkehr teilweise zusammen, da letztlich der Weg von Niendorf nach Eidelstedt nur über diese Schnelsener Straße führt. Die ist aber auch als Velo-Route geplant. Über eine Durchfahrtssperre am Wochenende kann aus meiner Sicht durchaus diskutiert werden. Allerdings wird das Verbot von FZ über 7,5 t auch gerne ignoriert. Engstellen, die eine Durchfahrt für LKW verhindern, halte ich für sinnvoll. Und am Wochenende eine Sperre hinter dem Waldcafe Correll, so dass der Kunde aus Niendorf den direkten Parkplatz am Café und aus Eidelstedt kommend den 100m entfernten Parkplatz erreichen kann. Eine generelle Sperrung halte ich für falsch.
Frank Kickbusch

Ausgrenzung
Ich bin als Niendorfer Seniorin gegen eine Sperrung der Straße Niendorfer Gehege. Für ältere bewegungseingeschränkte Menschen wie mich stellt sich die Frage wie wir mit dem Auto zu verschiedenen Parkplätzen/Startpunkten im Niendorfer Gehege (zum Spaziergang oder Café Corell) kommen werden? Bereits die hohe und weiter zunehmende Anzahl an temporären Straßensperrungen in Hamburg lastet am meisten auf den bewegungseingeschränkten Personen. Zusätzliche dauerhafte Sperrungen reduzieren ihren Radius noch weiter. Für den Durchgangsverkehr ist das Niendorfer Gehege ohnehin durch Tempo 30 und Hindernissen eingeschränkt worden.
Liliane Bischoff

Ich bin dagegen !!!
Kompromiss am Wochenende zu in der Woche auf. Wir haben seit zwei Jahrzehnten als Familie nur ein Auto, könnten auch zwei! Wollen aber nicht denn es geht auch so. Wenn das Gehege dauerhaft gesperrt wird verlängern sich für viele die Wege. Siehe Sperrung Niendorf Str. es war zu verkehrsreichen Stunden Stau in den Umleitungen. Was sehr die Luft belastet, genau so ist es wenn man große Umwege fahren muss, da beißt sich für mich die Katze in den Schwanz.
Gabriela Keppner

Schnappsidee
Die Straße Niendorfer Gehege für den Durchgangsverkehr zu sperren war schon vor 25 Jahren und ist auch heute noch eine Schnapsidee. Unabhängig von meiner persönlichen Notwendigkeit diese Verbindung immer mal wieder schnell oder wetterbedingt nutzen zu müssen (Verpflegung, Wäsche und wenn ein Notruf kommt) ist doch festzustellen, dass der Autoverkehr abgenommen hat, seit die Niendorfer Straße wieder durchgängig befahrbar ist. Umwege fahren zu müssen ist nicht gerade umweltfreundlich. Für mich bedeutete die Sperrung einen Umweg von 4 km und eine zeitliche Verzögerung von 15 Minuten. Nach meinen Beobachtungen sind die meisten Autofahrer Besucher vom Restaurant, des Ponyhofes und Spaziergänger, die die Parkplätze in deren Umgebung benutzen. Diese Autofahrer suchen die Erholung im Niendorfer Gehege und der Feldmark. Ihnen würde der „Sonntagsspaziergang“ erheblich erschwert.
Horst Marlow

Lassen, wie es ist
Mein Mann Dierk Brockmöller und ich sind dafür, dass es bei der bisherigen Regelung bleibt. Die Autofahrer halten sich an die 30 Stundenkilometer-Begrenzung. Natur, Mensch und Tier werden durch die kaum beeinträchtigt. Bei der jetzigen Regelung können besonders alte Menschen wie wir, an verschiedenen Stellen unser Auto parken und dann mit kleinen Spaziergängen immer einen anderen Teil des Geheges sehen. Besucher mit kleinen Kindern wollen auch dicht an die Spielplätze fahren können. Würde eine Durchfahrt nicht mehr erlaubt, hätten diejenigen, die z.B. in Niendorf wohnen, einen großen Umweg zu fahren, wenn sie auf die Eidelstedter Seite wollten. Das gleiche gilt, wenn man auf der gegenüberliegenden Seite des Geheges wohnt. Der Umweg wäre nicht nur mit Kosten verbunden, sondern auch besonders umweltschädlich. Es muss an Menschen gedacht werden, die noch nicht oder nicht mehr so weit laufen können und sich trotzdem am schönen Gehege erfreuen wollen. Menschen können Radfahren!
Dierk und Ute Brockmöller

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