29. Januar 2022
Niendorf

Dicke Luft am Flughafen

Bürgerinitiative beklagt Feinstaubbelastung

Flugzeugturbinen stoßen Feinstaub aus Symbolfoto: GettyImages

NIENDORF Der Dachverband der Bürgerinitiativen und Vereine für Fluglärm-, Klima- und Umweltschutz (BIG) in Hamburg mahnt, dass die Ultrafeinstaubbelastung durch den Luftverkehr als „ausgeblendete Gefahr“ mehr Berücksichtigung finden müsse.

Bei der Abfertigung, beim Starten, Landen und Rollen auf dem Vorfeld würden die Turbinenabgase erhebliche Mengen an Ultrafeinstaubpartikeln (UFP) ausstoßen. Der Flugverkehr am innerstädtischen Hamburger Flughafen stelle dabei ein besonders hohes Gesundheitsrisiko dar, da die Abgasfahnen der Flugzeuge direkt auf dicht besiedelte Wohngebiete gerichtet seien.

Zu einer deutlichen Zunahme von UFP und anderer Schadstoffe trage besonders die Verbrennung von Kerosin mit einem hohen Schwefelgehalt bei. Der bislang geltende Grenzwert für den Schwefelgehalt bei Kerosin übersteige unverhältnismäßig hoch die Grenzwerte für Autos, Bahnen und Schiffe.

„Der Flughafenbetrieb in Hamburg ist eine bedeutende Quelle von Ultrafeinstaub. Trotzdem wird bisher lediglich Feinstaub bis zu einer Partikelgröße von jeweils 10.000 Nanometer (PM10) gemessen, nicht aber Ultrafeinstaub“, sagt Martin Mosel, der neue Vorsitzende des BIG. „Die Hamburger Umweltbehörde scheint über die Ultrafeinstaubbelastung durch den Flughafen nicht informiert zu sein. Wir brauchen qualifizierte dauerhafte Messungen insbesondere in den Wohngebieten mit Abluftfahnen des Flughafens.“ Die UFP-Emissionen könnten durch den Einsatz von entschwefeltem Kerosin deutlich reduziert werden.

„Emissionsabhängige Flughafen-Entgelte würden wichtige Anreize geben, moderne Triebwerkstechnologien in Hamburg einzusetzen. Der Flughafen und die Deutsche Flugsicherung können zudem mit einer optimierten Ablaufplanung unnötige Rollwege der Flugzeuge und Wartezeiten mit laufenden Triebwerken an den Startköpfen vermeiden“, fordert Martin Mosel.

„Im Kern der Belastungsauflösung braucht es aber eine deutliche Reduzierung des Luftverkehrs, wodurch auch die Belastungen durch die UFP sinken würden. Die Maßnahmen sind nicht neu und zugleich einfach umzusetzen. Es fehlt am politischen Willen und der unternehmerischen Einsicht“, so Mosel verärgert.

Die Initiative
BIG-Fluglärm Hamburg e.V. wurde 1988 von Betroffenen und Belasteten durch den Luftverkehr, ausgehend vom innerstädtisch gelegenen Hamburger Verkehrsflughafen Helmut Schmidt, gegründet. BIG-Fluglärm Hamburg setzt sich vor Ort für eine nachhaltige Reduzierung der Belastungen aus dem Luftverkehr ein und ist darüber hinaus in vielen regionalen und überregionalen Arbeitskreisen, Gremien und Verbänden vernetzt.

Auch interessant