17. Juli 2021
Niendorf

Dem Regenrauschen leise lauschen

Waldbaden im Niendorfer Gehege ist bei Schietwetter ein besonderes Erlebnis

Beim Waldbaden kommen alle Sinne zum Einsatz Foto: mf

Beim Waldbaden kommen alle Sinne zum Einsatz Foto: mf

NIENDORF Die regennassen Pflanzen im Niendorfer Gehege leuchten besonders prall grün. Wenn ein Regentropfen vom Himmel saust, geben die bodennahen Blätter von Efeu, jungen Buchen oder Ahorn elastisch nach und scheinen so eine Choreografie, eine Art Blättertanz zu bilden.

Zur Sommersonnenwende am 21. Juni scheint die Sonne eigentlich am allerlängsten und sollte für ein besonders intensives Waldbaden sorgen. Stattdessen gibt es in diesem Jahr Dauerregen. Doch der präsentiert das Gehege von einer Seite, die auch vielen Stammgästen neu sein dürfte.

„Such dir einen Platz und stelle dir die Frage: Was bewegt sich? Schau in den Himmel, in die Baumkronen und gehe mit deiner Aufmerksamkeit immer näher zu dir“, fordert Waldgesundheitstrainerin Sabine Treeß in wetterfester Kleidung ihre kleine Gruppe auf und lässt die Teilnehmerinnen geschützt unterm Blätterdach der Baumkronen und mit einem Isokissen auf einem Baumstamm Platz nehmen.

Bei diesem Wetter lenken keinerlei menschliche Geräusche dieses beliebten Ausflugziels von der kleinen Meditation ab. Je länger man den Blick absichtslos schweifen lässt, desto mehr Bewegungen sind wahrnehmbar. Shinrin Yoku, das Waldbaden, oder korrekt übersetzt das Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes, ist in Japan seit den 1980er-Jahren eine anerkannte Methode zur Gesundheitsvorsorge. „Schon drei Stunden Waldaufenthalt in der Woche sind nachweislich gesund. Besonders in Zeiten, in denen das Natur-Defizit-Syndrom ein anerkanntes Störungsbild ist“, erzählt Sabine Treeß, nachdem sie ihre Gruppe mit dem Klang einer Zimbel aus der Meditation geweckt hat.

„Wie riecht der Wald?“, fragt sie dann und lässt ihre Gruppe an Moos, Rinden, altem Laub, jungen Blättern und was die Teilnehmerinnen sonst noch finden, schnuppern. „Die Bäume kommunizieren über Duftstoffe. Und diese lösen Glückshormone aus“, erklärt die Waldgesundheitstrainerin Sabine Treeß.

Sabine Treeß ist wieder am Sa., 11.9. und 13.11. von 11 bis 14 Uhr
im Niendorfer Gehege unterwegs www.aufdemweg.de

Die mitgebrachten Bilderrahmen machen Natur zu Kunst Foto: mf
Die mitgebrachten Bilderrahmen machen Natur zu Kunst Foto: mf

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