19. Februar 2022
Niendorf

„Das ist genau der richtige Zeitpunkt“

Niendorfer Ehepaar gibt Führerschein freiwillig ab

Ingrid und Fritz Härchen halten zum letzten Mal ihren Führerschein in der Hand Foto: kh

NIENDORF Vor ziemlich genau 60 Jahren hielten Ingrid und Fritz Härchen nach bestandener Prüfung zum ersten Mal ihren Führerschein in den Händen. Nun hat das Niendorfer Ehepaar seine „Lappen“ abgegeben – freiwillig.

„Der richtige Zeitpunkt ist genau jetzt gekommen“, meint Fritz Härchen. Ein letztes Mal wirft er fast ein wenig wehmütig einen Blick in seinen rosafarbigen Führerschein, bevor er ihn zum Polizeikommissariat 24 bringt. Auch das Auto, ein älteres Modell mit kleineren Schrammen und Macken, wird nun zeitgleich abgegeben.

„Ich bin immer gerne Auto gefahren“, erzählt der 82-Jährige. Als ehemaliger Polizist hat er über viele Jahre sogar tagtäglich im „Peterwagen“ gesessen. Die eigene Entscheidung, sich nun nicht mehr hinters Steuer setzen zu dürfen, empfindet er aber als richtig und vernünftig.

Den Auslöser dazu gab nur eine Woche zuvor ein kleiner Unfall. „Ich wurde von der Sonne geblendet und habe dann ein am rechten Fahrbahnrand geparktes Fahrzeug touchiert“, so der Rentner. Auch wenn nur ein geringer Sach-, und kein Personenschaden entstanden sei, war der Führerschein-Verzicht damit besiegelt. „Wir haben uns schon länger mit dem Thema beschäftigt und unserem Sohn bereits vor zehn Jahren versprochen, den Führerschein rechtzeitig abzugeben“, erzählt Ingrid Härchen, die selbst schon einige Jahre nicht mehr fährt.
Mobil auch ohne Auto

Als Verlust empfinden die beiden den Wegfall ihrer flexiblen Mobilität nicht. „Wir haben jetzt weniger Kosten, da wir kein Auto mehr unterhalten müssen“, meint die 80-jährige Niendorferin: „Und da wir viel zu Fuß erledigen, bleiben wir in Bewegung.“ Das Paar hat sich zudem eine HVV-Monatskarte gekauft. Außerdem haben die Kinder und Enkelkinder ihre Hilfeangeboten.

„Ich freue mich, dass sich meine Eltern dazu entschlossen haben, bevor noch etwas Schlimmeres passiert wäre“, meint ihr Sohn Mirko. „Und wenn die Stadt Hamburg schon jetzt kleinere Anreize bietet, wie beispielsweise kostenlose HVV-Tickets, bewegt das eventuell noch mehr Senioren dazu, auf ihr Auto zu verzichten.“

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