18. Juni 2022
Niendorf

Camping im Gehege?

Biodiversitätsmonitoring untersucht Insektenbestand

Keine Campingzelte, sondern Malaisefallen für Fluginsekten Foto: Götz Berlik

NIENDORF Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Wildcamper ihre Zelte im Niendorfer Gehege aufgeschlagen haben. Diese Annahme ist jedoch grundlegend falsch: Vielmehr handelt es sich um zeltähnliche „Malaisefallen“, mit denen im Rahmen eines Biodiversitätsmonitorings Fluginsekten erfasst werden.

Zusätzlich wurden sogenannte „Barberfallen“ in den Boden eingelassen, um bodenbewohnende Gliederfüßer, wie Spinnen, zu fangen. „Ziel dieser Maßnahme ist es, die Bedeutung der urbanen Lebensräume sowie die Bestandsentwicklung von Insektenpopulationen im städtischen Umfeld zu untersuchen“, beschreibt Torsten Demuth vom Verein Neuntöter das für Hamburg bislang einmalige Projekt, das bereits im fünften Jahr läuft. Erstmalig wurden jetzt für eine Woche auch im Niendorfer Gehege zwei Zelte aufgeschlagen.

Wie groß die Vielfalt der Insekten vor Ort ist, werten Wissenschaftler/-innen des Leibniz Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB), die eng mit dem Verein Neuntöter zusammenarbeiten, dann bereits zum „Langen Tag der Stadtnatur“ am Samstag, 18. Juni, gemeinsam mit Interessierten in einer ersten Datenaufnahme vor Ort aus. „Unser erster Eindruck beim Aufstellen der Fallen war bereits, dass die Insekten hier recht artenreich vertreten sind“, so Dr. Martin Husemann vom LIB: „Gut möglich, dass wir auch einige seltene Arten bestimmen können.“

Die finale Auswertung werde aber circa ein bis zwei Monate dauern.
Hintergrund der Untersuchungen ist der starke Rückgang der Insekten in Deutschland in den letzten Jahrzehnten. Die Ursachen sind dabei vielfältig und noch nicht abschließend geklärt. Vor allem in den Ballungsräumen fehlt es derzeit noch an umfassenden Studien.

Mit dem Biodiversitätsmonitoring wird daher ein geringfügig kleiner Teil der Insekten zu Forschungszwecken für die Nachwelt konserviert und mit genetischen Methoden auf ihre Artenzusammensetzung untersucht. „Zahlreiche Insektenarten sehen sich äußerlich extrem ähnlich und können daher nur mithilfe optischer Hilfsmittel unter Laborbedingungen bestimmt werden“, erläutert Torsten Demuth, der bereits plant, das Niendorfer Gehege dauerhaft in das Programm mit aufzunehmen.

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