11. Juni 2022
Lokstedt

Starke Visionen ohne Barrieren

Rücksicht auf Ältere und Mobilitätseingeschränkte

Barrieren

Am Bauzaun im Grandweg sollen bald autofreie Visionen hängen Foto: mf

LOKSTEDT Was wäre im Grandweg ohne Autos möglich? Dieser Frage sollte sich am 22. Mai ein Workshop des Projektes Klimafreundliches Lokstedt widmen.

Der Aufruf zum gemeinsamen Brainstorming sorgte im Vorwege jedoch auch für Unmut, denn gerade Ältere oder Menschen mit Behinderung fühlen sich bei autofreien Projekten nicht gesehen. „Ich bin gelinde gesagt entsetzt angesichts der Ignoranz und fehlenden Sensibilität der Workshop-Organisatorinnen. Schwerbehinderte, Alte und Schwerkranke im Grandweg und in den angrenzenden Straßen sind darauf angewiesen, dass dort noch Autos fahren dürfen“, sagt Susanne Kostorz, die aufgrund einer schweren Erkrankung auf Taxi oder Moia angewiesen ist. „Der Titel des Workshops löst Ängste und Gegenwehr aus, vor allem in einer Zeit, in der das Verkehrsprojekt der benachbarten Grelckstraße nach wie vor für Streit sorgt“, findet Susanne Kostorz.

Workshop fiel aus

Autofreie Straßen, die Passant/-innen eigentlich mehr Sicherheit bieten sollen, sorgen bei älteren Verkehrs-teilnehmer/-innen auch für Ängste: „Ich selbst und mehrere meiner Nachbarn sind in der Grelckstraße mehrfach von rasenden Radlern oder Lastenfahrrädern fast ‚umgemäht‘ worden“, schildert Anwohnerin Christel Hafke.

Der Workshop fiel letztlich mangels Besuchern aus. Die bereits vorliegenden Ideen für einen autofreien Raum sollen visuell aufbereitet und dann an den Baustellen im Grandweg für alle sichtbar werden. Fabian Zimmer vom Forschungsprojekt Klimafreundliches Lokstedt betont, dass der Verbund aus Universität Hamburg, Bezirksamt Eimsbüttel und Bürgerhaus Lokstedt im Grandweg „keine verkehrlichen Maßnahmen oder Sperrungen durchführen und auch die zukünftige Gestaltung der Straße nicht beeinflussen kann.“

Es geht uns vielmehr darum, Ideen und Vorstellungen für diesen Straßenraum zu entwickeln „jenseits der Dominanz des Autoverkehrs.“ Für einen niedrigschwelligen Austausch mit allen Lokstedter/-innen verweist er auf das Projektbüro in der Grelckstraße 11.

Hier sind Zimmer und Kolleg/-innen direkt oder über den Briefkasten ansprechbar: „Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass es extrem wertvoll ist, direkt vor Ort ansprechbar zu sein, um mit unterschiedlichen Leuten ins Gespräch zu kommen, um die Bandbreite der Erfahrungen, Hintergründe und Meinungen zumindest in Ansätzen einfangen zu können.“

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