24. Juli 2021
Lokstedt

E-Scooter im Test

Hoher Spaßfaktor aber geringe Sinnhaftigkeit

Auf bis zu 20 Stundenkilometer beschleunigt der Scooter Fotos: mf

LOKSTEDT An den U-BahnStationen Hagendeel und Hagenbecks Tierpark hat die Hochbahn in Kooperation mit dem Sharing-Dienst „Tier“ im Rahmen eines EU-Förderprojektes Parkplätze für E-Scooter eingerichtet.

Zusätzlich sollen Freiminuten als Anreiz die Nutzung für autofreie Wege von und zur U-Bahn attraktiver machen. Miriam Flüß hat das neue Angebot für die Wochenblatt-Sommerserie zu Mobilitätsalternativen getestet.

Die Sommersonne brennt, kein Lüftchen weht und es steht ein Besuch im Kundenzentrum Lokstedt am Tibarg an. Perfekte Voraussetzungen fürs Ausprobieren eines der E-Scooter, die seit Anfang Juni an den beiden Lokstedter U-Bahn-Stationen bereitstehen. Mit dem bis zu 20 Stundenkilometer schnellen Elektroroller die Kollaustraße hochzusausen erscheint mir komfortabler als das Fahrrad mit Dreigangschaltung, Fahrt im stickigen Auto oder die Busfahrt mit Maske.

Zum Freischalten muss erstmal die Tier-App aufs Smartphone geladen werden. Für die Registrierung gibt’s in den ersten drei Monaten ein Kontingent von 20 Freiminuten und zehn kostenlosen Freischaltungen. Letzteres geht ziemlich einfach. Zum Entsperren kann der QR-Code gescannt oder die Scooternummer angegeben werden. Die App leitet dann mit allen wichtigen Infos zum Start. Überraschend: Es gibt sogar einen auseinanderklappbaren Helm (habe ich noch nie bei Scooter-Fahrer/-innen gesehen) und den Hinweis auf das rücksichtsvolle Abstellen nach der Fahrt (sehe ich auch selten).

Dann kann es losgehen. Ein Fuß aufs Brett, mit dem anderen anrollen bis eine Geschwindigkeit von vier Stundenkilometern erreicht ist und dann mit dem Beschleunigungshebel die Geschwindigkeit erhöhen. Zum Üben auf der ersten Fahrt mache ich das erst mal auf dem Fußweg und fange mir gleich eine Ermahnung von zwei älteren Damen ein. Zu Recht – für E-Scooter gelten dieselben Verkehrsregeln wie für Fahrräder.

Das Rollerfahren auf dem Asphalt der Seitenstraßen macht viel Spaß und die anstrengungslose Fahrt die Kollaustraße hoch – bis der Radweg schlechter oder von Kopfsteineinfahrten unterbrochen wird. Das Geruckel, das auf dem Fahrrad nur halb so stark spürbar wird, ist nichts für meinen Rücken. Den Scooter lasse ich deshalb am Kundenzentrum stehen. Hätte ich ihn wieder in der Parkzone an einer der U-Bahn-Stationen Hagendeel oder Hagenbecks Tierpark geparkt, wären mir jeweils fünf Freiminuten gutgeschrieben worden. Fazit: Zum Spaß bei Sonne und auf glattem Asphalt gern mal wieder, aber für Besorgungen oder Transporte für mich doch nicht so sinnhaft. Wirklich umweltfreundlich scheinen mir die Scooter nur als Alternative fürs Auto zu sein, denn die Produktion der Lithium-Ionen-Akkus verbraucht jede Menge Energie.

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