9. Oktober 2021
Niendorfer Wochenblatt

Das Rätsel um die Hornissen ist gelöst

Insektenbeauftragter der Stadt Norderstedt hat Nest entfernt

Der Nistplatz für die Hornissen am Herulerweg befand sich direkt an der Straße Foto: kh

NIENDORF/NORDERSTEDT Der „Fall“ des zerstörten Hornissennestes im Naturschutzgebiet Ohmoor (das Wochenblatt berichtete) ist gelöst: Es liegt kein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz vor, vielmehr handelte es sich um eine Maßnahme der Stadt Norderstedt mit offizieller Genehmigung.

„Nach der Beschwerde einer Dame, die mehrfach von den Hornissen gestochen wurde, haben ich mir selbst ein Bild vor Ort gemacht“, so der städtische Insektenbeauftragte Jürgen Hanika. Bereits auf 30 Meter Entfernung sei auch er attackiert worden. „Aktuell schlüpfen die Königinnen, da reagieren die Insekten besonders sensibel auf andere“, erklärt der Experte das Verhalten der Tiere. Der Baum stehe zudem „ungünstig“ direkt an der Straße, an der auch Lkw fahren, sodass die Hornissen keine Ruhe finden.

Da sich der Bereich nicht absperren lässt, habe er die Fluginsekten (inklusive der neuen Königinnen) abgesaugt und umgesiedelt. Der Nesteingang wurde mit Pulver eingesprüht und die verbleibenden Tiere getötet. „Die alte Königin, die sich noch im Nest befand, wäre spätestens mit dem ersten Frost gestorben“, so Hanika weiter.

„Ich finde es schade, dass am Baum keine Information zurückgelassen wurde – entweder darüber, dass dort ein Nest ist und man Abstand halten soll oder dass es sich um eine offizielle Maßnahme handelt“, reagiert der Niendorfer Jürgen Struve, der Anzeige bei der Polizei erstattet hatte. Letzteren Vorschlag greift der Insektenbeauftragte gerne auf: „Eine Kennzeichnung ist für seltene Fälle, wie diese, eine gute Idee.“ Als Ausgleichsmaßnahme sei zudem geplant, im nächsten Jahr einen Nistkasten an dem Baum in ausreichender Höhe anzubringen.

Offen ist jedoch noch die Anzeige und die Frage, warum die Polizei keine Kenntnis von der Maßnahme hatte. „Wir haben eine offizielle Genehmigung vom Landesamt Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), Hornissennester in besonderen Fällen zu beseitigen oder die Population umzusiedeln“, so Fabian Schindler, stellvertretender Pressesprecher der Stadt Norderstedt. Entsprechende Maßnahmen werden daher erst im Anschluss und nicht vorab gemeldet. Dieses Verfahren ermögliche es, kurzfristig auf Gefahrensituationen reagieren zu können. Wie die Polizeidirektion Bad Segeberg rückmeldet, wurde die Anzeige nun zur weiteren Entscheidung an die Staatsanwaltschaft mit der Bitte um Einstellung des Verfahrens abgegeben.

Hornissen sind friedliebende Tiere, die jedoch sensibel reagieren können Foto: David Hablützel/Pixabay

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