3. August 2022
Wentorf

Revierförster sorgt sich um den Wald

Denn der größte Schädling ist der Klimawandel

„Früher konnte man durch eine Buchenkrone nicht durchsehen. Heute ist das anders“, sagt der Förster mit Blick auf den Klimawandel Foto: cmr

WENTORF „Eine gesunde Fichte interessiert den Borkenkäfer gar nicht“, weiß Revierförster Tim Laumanns (56) von der Försterei Bergedorf. Der größte Schädling im Wald sei der Klimawandel.

Seit 2014 betreut Laumanns gemeinsam mit vier Forstwirten rund 400 Hektar Wald, in Hamburg unter anderem im Bergedorfer Gehölz. Immer an seiner Seite ist sein Diensthund, der fünfjährige Ungarisch Drahthaar Mika. 40 Hektar der Fläche liegen auf Wentorfer Gemeindegebiet – ebenso wie die Försterei an der Hamburger Landstraße. Auch kleinere Flächen in Reinbek, am Großensee sowie in Geesthacht zählen zu seinem Einsatzgebiet. Deutliche Folge des Temperaturanstiegs: „Die Laichbiotope von Kröten fallen regelmäßig trocken und werden teils künstlich bewässert.“

Die Erdkröte ist die Hauptnahrung für kleine und große Ringelnattern. Bis zu zwei Meter lange Exemplare leben im Bergedorfer Gehölz. Laumanns weist explizit darauf hin, dass die Reptilien nicht giftig sind. Nach den Bombenkriegsschäden im Zweiten Weltkrieg hatten Abholzungsaktionen und die anschließende Wiederaufforstung mit den damals in großer Menge verfügbaren und schnell wachsenden Fichten in vielen deutschen Wäldern zu Monokulturen geführt, deren Bestand nun akut gefährdet ist. Gerade hat auch Laumanns eine 1,8 Hektar große Fläche der flachwurzelnden Fichten durch einen Sturm verloren. Wieder aufgeforstet wird unter anderem mit Schwarznuss, Kirsche, Esskastanie und Baumhasel. Und das ist nicht die einzige Herausforderung, vor der der Förster steht.

„Eigentlich wollen wir, dass der Wald sich von allein verjüngt“, sagt der Förster Tim Laumanns. Dafür müssten allerdings standortgerechte und zukunftssichere Samenbäume dort stehen. Also hat er entsprechende Arten gepflanzt. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg und die Gasversorgung ist er nicht zuversichtlich, dass sich der Klimawandel auf dem derzeitigen Level hält. Es gilt, mittels Durchforstung Baumarten zu fördern, die besser damit klarkommen. Die Nachfrage nach Brennholz ist groß, für dieses Jahr ist die Försterei bereits ausverkauft. Wichtig sei Fichtenholz auch zukünftig als nachhaltiger Baustoff etwa für Dachstühle.

Das Bergedorfer Gehölz ist eine von zwei Altwaldstätten in Hamburg, das heißt, dort gibt es seit über 500 Jahren Wald. Dort wachsen zu 80 Prozent Buchen, die seit einiger Zeit die ersten Trockenschäden zeigen, einzelne sterben ab. „Es müsste jeden zweiten Tag regnen, denn die Buchen brauchen im Sommerhalbjahr jeden Monat 100 Liter Regen, wie der 56-Jährige erläutert.

„Wir haben sehr gute Standorte, aber das ist ein Fenster in die Zukunft“, betont Laumanns, der in Göttingen Forstwissenschaften studiert hat, mit Blick auf die nächsten 30 bis 50 Jahre – eine kurze Zeitspanne für den Wald. „Wenn das anfängt, flächig zu werden, wird das richtig dramatisch. Wir sind gefordert, in ganz anderen Dimensionen zu denken und neue Baumarten zu etablieren. Aber der Wald wird bleiben“, ist er überzeugt.

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