24. November 2021
Glinder Zeitung

Wenn das Zuhause zum Raum voller Angst wird

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Immer mehr Frauen in Stormarn suchen Hilfe, weil sie Gewalt ausgesetzt sind Foto: Thinkstock

Immer mehr Frauen in Stormarn suchen Hilfe, weil sie Gewalt ausgesetzt sind Foto: Thinkstock

STORMARN Körperliche oder sexuelle Gewalt gehört vielerorts zur alltäglichen Erfahrung von Frauen. Am 25. November machen die Vereinten Nationen mit dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen weltweit auf diesen Missstand aufmerksam. Auch in Stormarn finden dazu verschiedene Aktionen statt.

Immer mehr Frauen in Stormarn suchen Hilfe, weil sie Gewalt ausgesetzt sind. Das berichtet Gisela Bojer, Koordinatorin des Kooperations- und Interventionskonzeptes (KIK) vom Verein „Frauen helfen Frauen“ in Bad Oldesloe. KIK ist ein Netzwerk verschiedener Institutionen, die Opfer von häuslicher Gewalt besser schützen wollen. Im Jahr 2020 übermittelte die Polizei kreisweit 76 Fälle häuslicher Gewalt an die Frauenberatungsstellen von „Frauen helfen Frauen“, in 39 Fällen war eine polizeiliche Wegweisung des Täters ausgesprochen worden. Weitere 128 Frauen meldeten sich selbstständig wegen häuslicher Gewalt bei der Beratungsstelle in Bad Oldesloe. Das wirkliche Ausmaß des Problems wird damit nicht abgebildet, denn weiterhin bleibt Gewalt in der Partnerschaft meist verborgen.

Plätze fehlen

Doch schon für die Frauen, die sich Hilfe holen, reichen die Angebote nicht. Zumindest nicht die 15 Plätze im Frauenhaus in Ahrensburg, dem einzigen in Stormarn. 45 Frauen und 45 Kindern konnte das Frauenhaus im vergangenen Jahr Schutz bieten. 148 Frauen mit 184 Kindern mussten 2020 an andere Frauenhäuser im Land vermittelt oder wegen Platzmangels abgewiesen werden, so Claudia Rattmann, Vertreterin vom Frauenhaus. Die Situation habe sich nicht gebessert, in diesem Jahr mussten bisher 78 Frauen mit 86 Kindern abgewiesen werden. Zurzeit gebe es in Schleswig-Holstein und Hamburg keinen einzigen freien Platz mehr in den Frauenhäusern.

320.000 Brötchentüten

Dennoch appellieren alle Helfer an Gewaltopfer, sich Hilfe zu holen. Rena Bretsch, zuständig für Prävention bei der Polizeidirektion Ratzeburg: „Bei akuter Bedrohung sollte die Notrufnummer 110 gewählt werden, damit die Polizei kommen und die Frauen schützen kann.“ Es sei wichtig für alle Frauen, sich Hilfe zu holen, denn sie schützten damit auch ihre Kinder.
Damit das Thema im Bewusstsein der Menschen bleibt, gibt es einmal im Jahr die Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ von den Gleichstellungsbeauftragten. Unterstützt werden sie vom Landesinnungsverband des Bäckerhandwerks Schleswig-Holstein, der über seine Betriebe 320.000 Brötchentüten zur Verfügung stellt. Bedruckt sind diese mit der Nummer des bundesweiten Hilfetelefons 0800 011 60 16.
Zusammen mit Brigitte Sidow von der Frauenberatungsstelle im Beratungszentrum Südstormarn steht die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Reinbek, Maria de Graaff-Willemsen, am 24. November zwischen 12 und 13 Uhr mit einem Informationsstand vor der Bäckerei Baumgarten am Landhausplatz.
Die Brötchentüten werden dann in Glinde am Donnerstag, 25. November, bei der Glinder Tafel, Möllner Landstraße 53 verteilt.

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