17. März 2021
Stormarn

Hilfe für Frauen in Not

Die Probleme haben durch Corona zugenommen

Brigitte Sidow (v.l.), Petra Merks und Cordula Wenzel stehen auch aktuell für die Beratung von Mädchen und Frauen zur Verfügung Foto: Kuhlmann

Brigitte Sidow (v.l.), Petra Merks und Cordula Wenzel stehen auch aktuell für die Beratung von Mädchen und Frauen zur Verfügung Foto: Kuhlmann

SÜDSTORMARN Durch die Corona-bedingten Einschränkungen hat sich die Situation vieler Frauen verschlechtert.

Jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren wurde laut Kriminalstatistik bereits einmal in ihrem Leben von ihrem Partner oder Ex-Partner misshandelt. In der Pandemie habe sich die Situation für viele Betroffene verschärft, hat Petra Söchting, Leiterin des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“, festgestellt.

„Besondere Situationen brauchen besondere Lösungen“, sagt Brigitte Sidow, Diplom-Psychologin bei der Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit (SVS). Zusammen mit der Diplom-Psychologin Petra Merks und der Diplom-Pädagogin Cordula Wenzel berät sie Mädchen ab 14 Jahren und Frauen in schwierigen Lebenssituationen.
Im Bereich der psychosozialen Beratung geht es dabei meist um Partnerschaftsprobleme, Einsamkeit oder persönliche Problematiken. Aber auch Depression, Ängste oder Gewalt sind Themen.

„Gerade bei häuslicher Gewalt dauert es lange, bis sich die Frauen trauen, zu sprechen“, so Brigitte Sidow. Dabei seien alle Gespräche vertraulich, die Mitarbeiterinnen unterliegen der Schweigepflicht. Sehr häufig kämen die Frauen mit Schwierigkeiten nach einer Trennung. Zusammen mit ihrer Kollegin Petra Merks bieten die beiden Expertinnen daher am 5. und 6. Juni ein Seminar mit dem Titel „Getrennt – was nun?“ an.

Mobbing, vermindertes Selbstwertgefühl aber genauso Probleme in der Schule oder im Elternhaus führten junge Mädchen in die Beratung. „Der Leistungsdruck in der Schule kann körperliche Auswirkungen haben“, sagt Sidow. Aber auch der Umgang mit getrennt lebenden Eltern führe bei ihnen zu Belastungen.

Cordula Wenzel und Petra Merks sind ebenso in der Schwangerschaftskonfliktberatung aktiv. „Wir stellen fest, dass wir aktuell vermehrt Frauen mit ungeplanter Schwangerschaft beraten“, so Wenzel. Die Corona-Pandemie mit der zwangsweisen Häuslichkeit zeige hier vermutlich Auswirkungen.
Ebenso Frauen mit Neugeborenen suchen Kontakt. Dazu bietet die SVS zusammen mit den Familienzentren Reinbek und Glinde-Oststeinbek aktuell ein Online-Angebot für Mütter mit Kindern im ersten Lebensjahr an, die sich in ihrer neuen Rolle noch finden müssen.

„Vieles bleibt an den Frauen hängen“

Die Einsamkeit verstärke sich aktuell merklich. „Frauen, die sich getrennt beziehungsweise ihren Partner verloren haben oder ihn pflegen, sind hier besonders betroffen“, so Petra Merks. Darum ist aktuell in der Planung, eine Gruppe mit diesen Menschen ins Leben zu rufen, um sich gegenseitig auszutauschen und in den Kontakt zu kommen. „Es wäre schön, wenn sich interessierte Frauen bei uns melden“, sagt sie.

Grundsätzlich sei eine höhere Belastung der Frauen bedingt durch die Corona-Pandemie spürbar. „Vieles bleibt in diesen Zeiten an den Frauen hängen“, sagt Brigitte Sidow. 69 Prozent der Beratungen in der Beratungsstelle kämen aus dem Bereich Familie und Partnerschaft.
Die Beratung, ob in Präsenz oder per Telefon, in der SVS ist kostenlos. Termine müssen vorab vereinbart werden.

Interessenten auch für das Seminar und Angebote mögen sich unter Telefon: 727 384 50 oder per E-Mail an bz@svs-stormarn.de melden.

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