21. Juli 2021
Reinbek

„Wir haben viel gutzumachen“

Vom Boom auf die Tierheime und einer Tierschützerin mit Leib und Seele

Tiere

Karen Schönbrodt mit den beiden Vermittlungs-Meerschweinchen Fienchen und Paulchen Fotos: Philippi

REINBEK Bambi ist ein Traum von einer Katze: verschmust, aufmerksam, stubenrein, kastriert und absolut sozialverträglich. Sogar mit Hunden kommt sie klar. Aber Bambi hat ein Problem: Niemand will sie haben.

Bereits seit drei Jahren lebt die vierjährige, reinrassige Nacktkatze im Freigehege des Tierschutzvereins Einhorn in Reinbek. Und das nur, „weil sie ein bisschen aussieht wie ein Alien“, erklärt Tierheim-Chefin Karen Schönbrodt. In all den Jahren hat sich kein Besitzer für das Tier, das in Reinbek ausgesetzt worden war, gefunden. Dass Bambi kaum Fell hat, stört die Katze selbst wenig. „Bambi ist eine absolute Freigängerin und sogar im Winter draußen“, sagt Schönbrodt. Außer Bambi leben im Tierheim im Senefelder-Ring 46 und der zugehörigen Außenstelle noch 29 andere Katzen, sieben Hunde, 30 Kaninchen, zehn Meerschweinchen und 40 Ziervögel. Und das ist verhältnismäßig wenig.

„In der Corona-Zeit waren so viele Menschen auf der Suche nach Haustieren, dass die Tierheime praktisch leer waren“, erzählt Schönbrodt, die den Verein seit 26 Jahren leitet: „Plötzlich hatten wir Anfragen aus Kiel, aus Lübeck. Und wir konnten unsere Tiere an wirklich schöne Stellen vermitteln.“ Trotz des plötzlichen Andrangs auf die Tierheime und der nie dagewesenen Chance so vielen Tieren wie möglich ein neues Zuhause geben zu können, ist Schönbrodt ihren Prinzipien während der Pandemie treu geblieben: „Wir haben strenge Abgabekriterien. Das heißt, wir vermitteln nicht in Käfighaltung. Wer ein Meerschweinchen aufnehmen möchte, muss etwa ein Freigehege bauen und sicherstellen, dass es nicht alleine dort lebt. Es muss einfach passen.“

Schönbrodt vermittelt so zwar weniger häufig Tiere, weiß aber genau, dass diese dann in gute Hände gelangen. Dadurch liege die Rücklaufquote praktisch bei Null.

Die 59-Jährige ist seit 40 Jahren Tierschützerin mit Leib und Seele. 35 bis 40 ehrenamtliche Helfer stehen ihr bei ihrer Arbeit zur Seite. Zwei- bis dreimal pro Woche bekommt sie Anfragen für Schülerpraktika. „Wir sind aber immer auf der Suche nach weiteren Unterstützern.“ Beispielsweise beim Säubern der großen Freigehege, denn Käfige gibt es bei ihr nicht: „Tatsächlich beobachte ich seit ungefähr zehn Jahren den Trend, dass immer mehr Tierheime die Käfighaltung abschaffen.“ Auch im Bewusstsein der Menschen scheint es aktuell eine Veränderung zu geben: „Tiere werden wieder mehr zu richtigen Familienmitgliedern.“

Für Schönbrodt ist die Motivation, jeden Tag aufzustehen und sich rund um die Uhr um Vogel, Hund und Co. zu kümmern klar: „Tiere sind einfach die schwächsten aller. Sie haben keine Rechte und können sich nicht wehren. Und wir Menschen richten so viel an. Wir haben wirklich viel wieder gutzumachen auf dieser Welt.“

Infos: www.einhornev.de

Katze
Tierfreund gesucht: Bambi ist verschmust und eine Freigängerin

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