24. März 2021
Reinbek

Siegel von Fürsten und Königen

Einzigartige Ausstellung im Reinbeker Schloss im Krummspeicher

Edgar von Hobe präsentiert einen Teil seiner Siegel-Sammlung, die im Schloss Reinbek ausgestellt wird Foto: PT

Edgar von Hobe präsentiert einen Teil seiner Siegel-Sammlung, die im Schloss Reinbek ausgestellt wird Foto: PT

REINBEK „Ich gebe Dir darauf Brief und Siegel.“ So sagt man, wenn eine Aussage gegenüber einem Gesprächspartner bekräftigt werden soll. Aber Woher kommt diese Redensart? Eine Antwort liefert eine neue Ausstellung im Schloss Reinbek.

Bis zum Ende des Kaiserreichs 1918 war es noch sehr üblich, dass Briefe und wichtige Dokumente mit einem Siegel versehen wurden. So konnte der Empfänger des Dokumentes feststellen, ob der Brief von einer unbefugten Person eventuell geöffnet wurde. Auch heute werden zum Beispiel Notarurkunden gesiegelt. Allerdings verwendet man jetzt geprägte Papiersiegel. Das Siegeln von Briefen ist seit etwa 100 Jahren aus der Mode gekommen. Damals sammelte man Siegel so wie man später Briefmarken sammelte. Siegel aus Siegellack oder einer Wachsmischung haben keine ewige Lebensdauer, wenn sie nicht sachgerecht aufbewahrt werden, weil das Material spröde wird.

Die Siegelsammlung im Schloss Reinbek gilt weltweit als eine der größten dieser Art. Sie wurde nach der Renovierung des Schlosses durch den Reinbeker Kaufmann Friedrich-Edgar von Hobe dem Schloss mit der Auflage geschenkt, dass ständig ein Teil der Sammlung ausgestellt werden soll und dass die Sammlung durch von Hobe weiter gepflegt und erweitert wird.  Die Sammlung enthält eine Vielzahl von interessanten Stücken nahezu aller europäischen Königshäuser und Adelsfamilien. Auch Klöster und Kirchenfürsten haben Siegel verwendet. Die Sammlung wird zur Zeit durch von Hobe um kirchliche Siegel erweitert.

Wie ist diese so umfangreiche Sammlung entstanden?  Den Grundstock bildete eine kleine Sammlung, die von Hobe zusammentrug, indem er Siegel auf dem Boden seines elterlichen Gutshauses fand. Ein Freund seines Vaters, Oberst Helmut von Hoffmann, schenkte von Hobe den größten Teil der Sammlung, die von seinem Vater Hanns von Hoffmann, Landrat in Bunzlau/Schlesien sein Leben lang zusammengetragen wurde. 1945 rettete er auf einem Bollerwagen nur diese Sammlung und brachte sie nach Frankfurt/Main. Verloren ging auf der Flucht ein von Hand geschriebener Katalog.

Während von Hobe beruflich in den 60er Jahren in Dänemark lebte, lernte er den Nuntius des Vatikans, Erzbischof Bruno Heim, kennen, der ihm den dritten Teil der Sammlung von ungefähr 400 skandinavischen Siegeln schenkte. Mit Hilfe eines Computers war es nun möglich einen neuen alphabetischen Katalog zu schreiben. So ist es möglich, schnell ein Wappen zu finden. Der Katalog liegt bei den Vitrinen aus und kann eingesehen werden.
Während regelmäßig nur ein ganz kleiner Teil der Sammlung zu besichtigen ist, wird jetzt in einer Sonderausstellung noch bis zum 30. Mai etwa die Hälfte des Bestandes zu sehen sein.

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