17. Februar 2021
Reinbek

Großeinsatz gegen den Borkenkäfer

2.200 neue Bäume für den Stadtwald in Reinbek

Eduard Balzasch, Abteilungsleiter Umwelt und Klimaschutz der Stadt Reinbek (v.l.), Bürgermeister Björn Warmer, Steffen Burkhardt, Leiter der Forstbetriebsgemeinschaft Stormarn, Fachbereichsleiter Jürgen Vogt-Zembol von der Stadt und Reinhard Schulte begutachten die Baumschäden Foto: Möller

Eduard Balzasch, Abteilungsleiter Umwelt und Klimaschutz der Stadt Reinbek (v.l.), Bürgermeister Björn Warmer, Steffen Burkhardt, Leiter der Forstbetriebsgemeinschaft Stormarn, Fachbereichsleiter Jürgen Vogt-Zembol von der Stadt und Reinhard Schulte begutachten die Baumschäden Foto: Möller

REINBEK Im Kampf gegen den Borkenkäfer soll der städtische Wald an der Glinder Straße in Reinbek umgebaut werden.
70 Prozent der Bäume sind bereits krank.

Buchdrucker und Kupferstecher sind angesehene Berufe. Im Tierreich jedoch hören Käfer auf diese Namen, Borkenkäfer, um genau zu sein. Nur etwa drei Millimeter groß wird der Kupferstecher, während es der Buchdrucker immerhin etwa auf die doppelte Länge bringt. Der Schaden, den die beiden gemeinsam europaweit besonders in Blaufichtenbeständen anrichten können, ist dagegen immens. Bilder aus dem Harz oder dem Sauerland verdeutlichen die Lage.

Der Buchdrucker arbeitet in den unteren Baumregionen, während sein Kollege sich den Kronenbereich vornimmt. Gefährlich sind die Borkenkäfer durch die rasante Ausbreitung der Population, die in den vergangenen drei Jahren durch Hitze und Trockenheit in Frühjahr, Sommer und Herbst extrem begünstigt wurde. „Das waren ideale Bedingungen für die Käfer, sie konnten drei bis vier Generationen bilden“, weiß Reinhart Schulte von der Bezirksförsterei Stormarn. Durch die Trockenheit konnten die Bäume keinen Harzdruck gegen die Schädlinge aufbauen, die übrigens in einem nicht gerade kleinen Radius von vier Kilometern aktiv sind. Die Folge ihres Großeinsatzes: Ganze Fichtenwälder sterben ab.

Dünger für den Boden

Vor drei Jahren war der Bestand in dem kleinen, etwa fünf Hektar großen stadteigenen Wäldchen an der Glinder Straße in Reinbek noch gesund, jetzt sind bereits 70 Prozent der Bäume geschädigt. Nun müssen rund 100 Fichten auf einem etwa 16 Meter langen und 270 Meter breiten Teilstück (0,44 Hektar) des Waldes am Rande der Glinder Straße gefällt werden. Dafür kommen in Kürze zwei Tage lang Harvester und Säge zum Einsatz, denn Eigentümer sind laut Landeswaldgesetz verpflichtet, Wälder vom Borkenkäfer zu befreien und umzubauen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die etwa 10.000 Euro pro Hektar teure Aufforstungsaktion wird von EU, Bund und Land mit 85 Prozent gefördert. Die gefällten Bäume werden zu Bauholz, Paletten oder Papier verarbeitet werden. Ein Rest bleibt vor Ort und dient zerkleinert dem Boden als Dünger.
Natürliche Feinde hat der Borkenkäfer übrigens auch, allerdings sind Vögel und Ameisen mit dem reichlichen Futterangebot völlig überfordert. Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen mag der Käfer ebenfalls nicht, aber die blieben in den vergangenen Jahren aus. So überwintern die Larven auch bei Kältegraden gemütlich im Waldboden und gehen dann im Frühjahr frisch gestärkt wieder ans Werk.

Zum Glück ist das jetzt anders: Nach der Fällaktion wird im Frühjahr wieder aufgeforstet. Der Bereich soll zu einem altersdivergenten Laubwald umgewandelt werden, „damit der Wald sich in Zukunft stabil entwickelt.“ Nun sollen 2.200 neue Bäume, darunter Stieleichen, Hainbuchen und Bergahorne, gepflanzt werden.

Reinhard Schulte präsentiert ein Stück Baumrinde, das von einem Buchdrucker fein perforiert wurde Foto: Möller
Reinhard Schulte
präsentiert ein Stück Baumrinde, das von einem Buchdrucker fein perforiert wurde
Foto: Möller

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