2. Juni 2021
Reinbek

Ende einer unendlichen Geschichte

Rechtsstreit um Holländerbrücke: Stadtverordnete stimmen Vergleich zu

November 2009: Die neue Holländerbrücke wird über der Hamburger Straße montiert – der Beginn einer unendlichen Geschichte Foto: Prädel

REINBEK Die Stadt Reinbek schlägt das letzte Kapitel einer scheinbar unendlichen Geschichte auf: Der Rechtsstreit vor dem Oberlandesgericht Schleswig um die Baumängel an der Holländerbrücke wird mit einem Vergleich beendet.

Die Stadtverordneten zogen jüngst in ihrer Sitzung einen Schlussstrich unter dieses leidige Thema, das Reinbek mehr als zehn Jahre lang beschäftigt hat. Der Bau der 98 Meter langen und 3,50 Meter breiten Fußgängerbrücke, die die Hamburger Straße überspannt und den Stadtteil Hinschendorf mit dem Einkaufszentrum an der Berliner Straße verbindet, war lange Zeit politisch heftig umstritten. Schließlich fand sich eine Mehrheit für den Ersatz der alten Brücke, die bereits erhebliche Mängel aufwies und im Jahre 2007 abgerissen wurde. Doch die Stadt kam buchstäblich vom Regen in die Traufe.

Die neue Fußgängerbrücke, eine Konstruktion aus Stahl und glasfaserverstärktem Kunststoff, wurde auf Tiefladern im November 2009 angeliefert und mit Hilfe eines Krans über der Hamburger Straße montiert. Genutzt wurde das moderne Bauwerk allerdings nicht. Schon kurz nach der Montage stellte die Bauaufsicht der Stadtverwaltung erhebliche Mängel fest: Das Brückenauflager an der Nordseite war nicht fertiggestellt, das Geländer nicht befestigt, eine Abhebesicherung und ein Sichtschutz an der Südseite fehlten. Moniert wurden unsaubere Schweißnähte und Rostflecken auf dem Belag der Brücke. Erst im Oktober 2010 wurde die Holländerbrücke für Fußgänger und Radfahrer freigegeben.

Die Mängel führten zu juristischen Auseinandersetzungen, die sich über Jahre hinzogen. Die Stadt verweigerte dem bauausführenden Unternehmen die Restzahlungen und strengte ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren an, um entsprechende Regressforderungen stellen zu können. Allein für dieses Verfahren gingen einige Jahre ins Land, bis die Stadt das Bauunternehmen und das beteiligte Planungsbüro schließlich im Dezember 2015 vor dem Landgericht Lübeck auf Schadenersatz verklagte. Der Klage wurde allerdings im August 2018 nur teilweise stattgegeben, sowohl die Stadt als auch das Planungsbüro gingen in die Berufung.
Das Oberlandesgericht Schleswig hat nun nach einer mündlichen Verhandlung im vergangenen Dezember einen Vergleichsvorschlag gemacht, der sich deutlich von dem Urteil des Landgerichts Lübeck unterscheidet: Die Stadt Reinbek soll demnach 498.000 Euro Schadenersatz bekommen – nur rund 121.000 Euro hatten die Lübecker Richter ursprünglich vorgesehen.

Nach Auskunft der Stadt Reinbek kündigte das betroffene Planungsbüro bereits an, den Vergleich anzunehmen. Das Bauunternehmen hat zwischenzeitlich Insolvenz angemeldet. Die Reinbeker Stadtverordneten stimmten dem Vergleichsvorschlag einstimmig zu. Damit kann die Holländerbrücke nun saniert werden – und ein womöglich jahrelang andauernder weiterer Rechtsstreit wird vermieden.

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