4. Mai 2022
Reinbek

Ein ganz besonderer Ferienkurs

Unterricht statt Urlaub - Hilfe für geflüchtete ukrainische Menschen

Deutschunterricht in den Ferien, Dieter Wöhrmann kümmert sich um die Geflüchteten aus der Ukraine
Foto: Schult

REINBEK Mitten in den Ferien geht es in die Schule. Mitten in den Ferien gibt Dieter Wöhrmann im Sachsenwaldschule Deutschunterricht. Statt Urlaub zu machen oder Überstunden abzubummeln, unterrichtet er ehrenamtlich Geflüchtete aus der Ukraine. Wöhrmann, Mitarbeiter des VHS Bildungswerks Glinde hat bei seinem ehrenamtlichen Nachhilfeunterricht in Reinbek von den Problemen der ukrainischen Schülerinnen und Schüler erfahren. Während der Ferien waren keine Deutschkurse für sie vorgesehen. Da hat er beschlossen, einzuspringen. Die Schule stellt den Raum zur Verfügung.

Die Nachfrage ist groß

Das war offensichtlich eine gute Idee. Fast alle Plätze im Klassenraum sind besetzt. Nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch einige Mütter sind gekommen. Alle sind freiwillig da. Alle haben ein gemeinsames Ziel: möglichst schnell die deutsche Sprache so beherrschen, dass sie sich unterhalten können. „Wir möchten verstehen, worüber die Leute sprechen. Kommunikation mit den Menschen ist uns wichtig.“ Natürlich wird die Sprache auch für die Schule gebraucht, aber nicht nur dafür. Wer mit den anderen Kindern sprechen kann, kann auch mit ihnen spielen. Das ist den jungen Ukrainern ebenfalls wichtig. Noch ist es allerdings nicht so weit, denn die meisten sind erst vor kurzer Zeit angekommen. Deshalb ist auch im Unterricht das Handy mit Übersetzungsapp das wichtigste Zubehör. Damit stellt Wöhrmann sicher, dass alle verstehen, was er erklärt.

Hoffen und Bangen

Die ukrainischen Menschen zeigen sich dieser neuen und schweren Aufgabe sehr aufgeschlossen. Sie wissen, dass der Weg zurück in die Heimat lang werden kann. Und wann dieser angetreten werden kann, ist ungewiss. „Wir leben in Charkiw“, erklärt eine Mutter, „da besteht keine Möglichkeit, weil es aktive Kämpfe gibt.“ Und: „Wir werden noch lange hier sein“, davon gehen auch die Jugendlichen aus. Noch gebe es leider keine Chance zurückzukehren. Gerade in der vergangenen Osterzeit war die Sehnsucht nach dem Zuhause besonders groß. Dort gibt es nach dem Gottesdienst viel gutes Essen – jedenfalls dann, wenn nicht gerade der Krieg alles zunichtemacht. Eine Eiersuche kennt man in der Ukraine nicht.

Kultureller Austausch

Gemeinsam mit Dieter Wöhrmann erschließen sich die Geflüchteten eine neue Welt und gehen – trotz der schweren persönlichen Situation – mit sehr viel Hingabe und Engagement an diese Aufgabe. Sie lernen die deutsche Sprache in kleinen Schritten und freuen sich über die Fortschritte. „Didi ist ein sehr guter Lehrer.“

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