28. Oktober 2020
Glinde

Mit Fotos gegen häusliche Gewalt

Das Projekt StoP hat eine neue Aktion für alle Glinder gestartet

An ihrem Informationsstand wirbt Julia Eckert um Mitstreiter für das Projekt StoP Foto: Schult

An ihrem Informationsstand wirbt Julia Eckert um Mitstreiter für das Projekt StoP Foto: Schult

GLINDE „Ein Zuhause darf kein gefährlicher Ort sein“ steht auf einer der Tafeln, die am Sonnabend bei der Aktion von StoP (Stadt ohne Partnergewalt) beschriftet und fotografiert wurden.

„Das ist eine sehr treffende Aussage“, sagt Julia Eckert. Die Koordinatorin des Projekts StoP hat eine neue Aktion gestartet: „Glinde zeigt Gesicht“. Auf eine Tafel können Bürger schreiben, weshalb sie gegen Gewalt sind. Dann lassen sie sich damit fotografieren und werden Teil einer Plakatausstellung. An den Marktagen in der vergangenen Woche wurden am Informationsstand von StoP die ersten Fotos geschossen.
Viele gute Argumente gab es dabei, berichtet Eckert. „Lasst Kinder so nicht aufwachsen“ war eines davon. Die Aktion wird fortgesetzt. „Dabei möchte ich auch Gruppen wie Betriebe, die Feuerwehr oder die Verwaltung ermutigen, sich für ein Foto zur Verfügung zu stellen“, so Eckert.

Zudem gibt es bei ihr Informationen für alle, die Unterstützung suchen. „Ich habe eine Freundin, die von ihrem Mann geschlagen wird. Noch will sie ihn nicht verlassen. Aber sie muss sich helfen lassen“, erklärt eine ältere Damen, die an den Stand kommt. Die Seniorin nimmt sich Informationsmaterial mit und die Ermunterung, sich auch als Freundin bei den kompetenten Beratungsstellen erklären zu lassen, wie sie helfen kann.
Für Julia Eckert ist die Situation kein Einzelfall. Sie weiß, dass es noch viel zu tun gibt, bis der Anspruch, eine gewaltfreie Stadt zu sein, in Glinde Wirklichkeit werden kann. Außerdem läuft gerade eine Nachbarschaftsbefragung. „Wir wollen herausbekommen, wieviel die Menschen von häuslicher Gewalt mitbekommen und ob sie bereit sind aktiv zu werden“, erklärt Julia Eckert. Beim Datensammeln birgt sich Sven-Jan Schmitz aktiv mit ein. Er spricht gezielt die Männer an. „Es ist immens wichtig, dass auch mit männlichen Personen über das Thema gesprochen wird“, betont er. Ein Problem ist aus seiner Sicht, das viele Männer nicht über ihre Gefühle sprechen, sie oft verdrängen. Den Zugang zu Gefühlen zu bekommen, könne Gewalttaten vermeiden, hofft er.

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