19. Januar 2023
Glinde

Lehrkräfte ungleich verteilt

Pflichtfach Informatik Habersaat kritisiert Bevorzugung der Gymnasien

In der Sönke-Nissen-Gemeinschaftsschule: die Schüler Ben Rudolph und Maik Jann (v. l.) und ihre Lehrer Jan Schledermann und Nils Dargel, der die Fortbildung für Informatikunterricht macht, im Technikraum Foto: Schult

GLINDE Informatik soll an Schleswig-Holsteins weiterführenden Schulen zum Pflichtfach werden. Das hat sich die Landesregierung vorgenommen. Damit der Plan umgesetzt werden kann, müssen genug fachkundige Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Die gäbe es theoretisch auch, teilt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat, mit. Doch sie seien ungleich verteilt. Die Gymnasien würden gegenüber den Gemeinschaftsschulen eindeutig bevorzugt, wirft er Bildungsministerin Karin Prien (CDU) vor.

Habersaat rechnet vor: „345 aus- oder weitergebildete Informatiklehrkräfte unterrichten an den allgemeinbildenden Schulen in Schleswig-Holstein. Das wäre ein guter Grundstock für einen verbindlichen Informatikunterricht an den 100 Gymnasien und 181 Gemeinschaftsschulen im Land. Es wären immerhin fast zwei Fachlehrkräfte pro Schule – wenn sie denn gleichmäßig verteilt wären.“ Dass dies nicht der Fall ist, zeige sich an der Beteiligung der Schulen an der Erpro-bungsphase. „Unter den 80 Schulen, die heute erproben, befinden sich 54 Gymnasien, 18 Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe und acht Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe“, so der Landtagsabgeordnete. Mit dabei ist das Gymnasium Glinde. Die beiden Glinder Gemeinschaftsschulen konnten die Voraussetzungen für die Beteiligung nicht vollständig erfüllen. Zwar sind die technischen Voraussetzungen gegeben, doch es fehlte an ausgebildeten Lehrkräften. Bis Ende April 2022 musste mindestens eine Informatiklehrkraft oder eine Lehrkraft in einer entsprechenden Weiterbildung vorhanden sein. Die Weiterbildung wird vom Land angeboten.

Es fehlt an Fachlehrern, bestätigen die Schulleiter. „Der Fachbereich Mathematik ist bei uns zu schwach besetzt“, erklärt Johannes Haarbeck, Leiter der Gemeinschaftschule Wiesenfeld. „Deshalb konnten wir noch keine Lehrkraft für die Weiterbildung in der Informatik abstellen.“ Mathematik war und bleibe ein Mangelfach, für das Fachlehrer sehr gefragt seien. Die Sönke-Nissen-Gemeinschaftsschule ist schon einen kleinen Schritt weiter. „Wir haben einen Lehrer, Nils Dargel, der die Fortbildung besucht“, berichtet Schulleiter Henning Stehn. Dafür opfere der Kollege einen Teil seiner Freizeit. Doch er werde es nicht allein schaffen, alle 25 Klassen zu unterrichten, denn er müsse noch andere Fächer mit abdecken. So steht den Lehrkräften noch viel Weiterbildung bevor.

Auch interessant