14. Juli 2022
Glinde

Der Boom auf kleine Gärten hält an

Aufnahmestopp im Kleingartenverein Glinde

Viele Mensche sehnen sich nach einem eigenen Stück Grün Foto: Philippi

GLINDE Die gute Nachricht ist: Wer auf der Suche nach einem Kleingarten in Glinde ist, der muss nicht mehr, wie zu Beginn des ersten Corona-Lockdowns, mit einer Wartezeit von sieben Jahren rechnen. Die schlechte ist: Die Wartezeit beträgt immer noch fünf Jahre. Dazu kommt jetzt noch ein Aufnahmestopp für Nicht-Glinder.

Die Zeiten, als der Erste Vorsitzende des Kleingartenvereins, Peter Witt, von Anfragen „nur so überrannt“ wurde, sind vorbei. Trotzdem erhält er noch immer zwei bis drei Anfragen monatlich und das nicht nur von Einheimischen. „Es melden sich auch Leute aus Wentorf, Reinbek, Barsbüttel bei uns. Aktuell stehen auf unserer Warteliste 30 Personen“, so Witt. „Weil wir ein Glinder Verein sind, haben wir uns jetzt dazu entschieden, freie Parzellen vorerst auch nur noch der Glinder Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.“ Wer auf die Warteliste aufgenommen werden will, der muss sich im Rahmen einer Sprechstunde erst einmal persönlich beim Vorstand vorstellen. „Da merkt der eine oder andere dann doch, dass ein Kleingarten eben nicht nur Vergnügen und Erholung, sondern auch viel Arbeit ist.“

Insgesamt umfasst der Kleingartenverein Glinde 126 Parzellen, aufgeteilt in die vier Anlagen Togohof 1 und 2, Mühlengrund und Waldfrieden. Letztere wird ihrem Namen aktuell nicht gerecht. Der Haussegen hängt schief. Vor zwei Jahren übernahmen Lehrer und Schüler der Wilhelm-Busch-Schule dort eine Parzelle. „Natürlich geht es dort dann auch manchmal etwas turbulent zu“, sagt Witt. Ein Zustand, den offenbar nicht jeder Kleingartenbesitzer im Waldfrieden gut ertragen kann. „Die Kleingärtner meinen dann den Schülern mit dem erhobenen Zeigefinger erklären zu müssen, wie sie ihren Garten zu pflegen haben.“ Sogar eine Krisensitzung musste deswegen gerade einberufen werden. Dabei käme es gar nicht darauf an, dass jede Gartenanlage akkurat mit der Nagelschere bearbeitet werde, ist Witt überzeugt. Er meint: „Es ist unsere gesellschaftliche Aufgabe, den Schülern hier einen Raum zu geben, an dem sie sich ausleben und in dem sie an die Natur herangeführt werden können.“

Peter Witt hofft inständig, dass sich die Wogen im Waldfrieden bald wieder glätten werden. Spätestens am 23. November sollte das so weit sein, denn dann feiert der Kleingartenverein seinen 75. Geburtstag. Bis dahin werden noch Ideen geschmiedet und Projekte umgesetzt. Das Vereinshaus braucht einen neuen Fußboden, das Bürogebäude bekommt ein neues Fenster. Und im Waldfrieden könnte bald eine Gemeinschaftsparzelle entstehen für all jene, die zwar „gerne in der Erde wühlen“, denen die Arbeit in einer eigenen Parzelle aber zu viel geworden ist. Geplant ist, dort Hochbeete für den eigenen Gemüseanbau anzustellen. „Die Selbstversorgung ist nach wie vor ein Trend“, beobachtet Witt, der selbst mit viel Know-how und Leidenschaft alles anbaut, was geerntet werden kann. Drei bis vier Stunden täglich verbringt er mit Gartenarbeit, seit 23 Jahren ist er der Erste Vorsitzende des Vereins. Alles in allem sei dies nicht weniger als ein Vollzeitjob, der anstrengend aber auch erfüllend ist. Im kommenden Jahr will sich Peter Witt noch einmal für drei Jahre für den Posten aufstellen lassen. „Doch dann“, sagt der 74-Jährige entschieden, „dann ist damit endgültig Schluss.“

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