18. August 2021
Glinder Zeitung

Eine halbe Million vom Land

Schulungen für die Notfallversorgung Neugeborener

Gesundheitsminister Heiner Garg (links) hält das Baby-Phantom, das von Dr. Andreas Bertomeu in seinen Reaktionen gesteuert wird Foto: Kuhlmann

Gesundheitsminister Heiner Garg (links) hält das Baby-Phantom, das von Dr. Andreas Bertomeu in seinen Reaktionen gesteuert wird Foto: Kuhlmann

REINBEK Level IV-Geburtskliniken wie das Krankenhaus St. Adolf-Stift, die meist in ländlichen Regionen liegen, verfügen über keine Kinderklinik und keine Kinderärzte.
Die Notfallversorgung eines Neugeborenen bis zum Eintreffen eines Intensivtransportwagens bedarf geübten Handlungsschritten und einer guten Teamarbeit. Das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) des UKSH (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein) hat Schulungen und Techniken dafür entwickelt. Die Schulungen werden über die nächsten zwei Jahre an den zehn Level IV-Geburtskliniken im Land durchgeführt.

Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) übergab in Reinbek dafür einen Förderbescheid in Höhe von 499.970 Euro an Professor Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des IRuN. „Im Verlauf einer Geburt kann es jederzeit und unerwartet zu Komplikationen kommen, wenn die Säuglinge zum Beispiel mit Sauerstoff unterversorgt sind. Medizinisches und pflegerisches Personal muss daher genau auf solche Fälle vorbereitet werden – und das nicht nur in größeren Krankenhäusern mit angeschlossenen Perinatalzentren (Geburtshilfe und Neugeborenenmedizin). Dazu braucht es Schulungen mit einheitlichen Standards auf einem hohen Niveau. Dies soll durch das neonatologische Simulationstraining sichergestellt werden, dass das Land mit Mitteln aus dem Versorgungssicherungsfonds fördert“, so Garg.

Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (6. v. r.) mit medizinischem Personal des Adolf-Stifts Fotos: iku
Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (6. v. r.) mit medizinischem Personal des Adolf-Stifts Fotos: iku

Das neonatologische Simulationstraining „NeonatSim“ beinhaltet Elemente der Geburtshilfe, der Neonatologie sowie des Teambuildings. An vier Terminen verteilt über zwei Jahre wird die Schulung durchgeführt. Baby-Phantome und eine Technik simulieren den Notfall, wie Atemaussetzer, blaues Anlaufen oder auch die Schlappheit von Gliedmaßen. Rund 60.000 Euro kostet das Baby-Phantom, dass einem Neugeborenen nicht nur im Gewicht gleicht. Auch die Transportvorbereitung, -organisation und eventuell Begleitung bei einer notwendigen Verlegung eines Neugeborenen in einem dafür extra ausgestatteten Intensivtransportwagen gehört zum Schulungsprogramm.
781 Kinder wurden im letzten Jahr im Krankenhaus St. Adolf-Stift geboren. 13 von Ihnen mussten zur Kontrolle ins Kinderkrankenhaus Wilhelmstift gebracht werden, sechs der Kinder sogar reanimiert werden. Die Zahl der Notfälle sei zwar gering doch gerade das erfordere ein häufiges Training. „Bis ein Intensivtransportwagen aus dem Wilhelmstift da ist, vergehen im Schnitt 30 Minuten“, sagt Professor Jörg Schwarz, Chefarzt der Frauenklinik.

Auch interessant