18. August 2021
Glinder Zeitung

Der Kick durchs Klicken

Intensives Surfen im Internet kann zu Medienabhängigkeit führen

Junge Menschen verbringen vermehrt Zeit mit Smartphone und Tablet Foto: AOK

Junge Menschen verbringen vermehrt Zeit mit Smartphone und Tablet Foto: AOK

STORMARN Sie sitzen oder liegen, wenn sie wischen und klicken. Nahezu alle Zwölf- bis 25-Jährigen nutzen täglich in ihrer Freizeit das Smartphone, Tablet oder den Computer.
Im realen Leben Freunde treffen, reden, miteinander spielen ist durch Corona auch im Kreis Stormarn noch schwieriger geworden. „Es ist normal, wenn Kinder und Jugendliche auch mal ausschweifend im Netz surfen, spielen oder chatten“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Reinhard Wunsch, „wenn die intensive Nutzung auch nach Monaten nicht wieder abnimmt und den Tag bestimmt, sollten Eltern unbedingt handeln.“

Medien- und Internetabhängigkeit ist quasi die Droge der Zukunft. Immer mehr Kinder und Jugendliche nutzen digitale Medien mehr als ihnen guttut. Aus der Studie zur Drogenaffinität von Kindern und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 25 Jahren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vom Dezember 2020 geht hervor, dass nahezu alle der rund 7.000 Befragten Computerspiele und/oder das Internet täglich nutzten. In der Woche kommen so mehr als 24 Stunden vor dem Bildschirm oder Display zusammen – zusätzlich zur Nutzung für Schule, Studium oder Arbeit. Jeder dritte Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren nutzte Computerspiele und Internet im Jahr 2019. Problematisch: 8,6 Prozent hatten eine Computerspiel- und internetbezogene Störung.

Auch wenn die Digitalisierung gerade in Zeiten einer Pandemie insgesamt wertvoll ist, müssen junge Menschen auch mal „offline‘ sein. Die empfohlenen Obergrenzen für Jugendliche ab zehn Jahren sind zehn Minuten Medienzeit pro Lebensjahr pro Tag oder eine Stunde pro Lebensjahr pro Woche. Allein die Nutzungsdauer macht aber noch keine Mediensucht aus. Hierfür müssen noch weitere Warnzeichen hinzukommen. Ein übersteigerter Medienkonsum und Computerspielabhängigkeit wird den Verhaltenssüchten zugerechnet.

Wie bei einer Alkohol-, Tabak- oder Drogenabhängigkeit wird mit dem jeweiligen Verhalten das Belohnungssystem aktiviert und die Betroffenen möchten sich immer wieder mit diesem Kick belohnen. Dabei verlieren sie die Kontrolle über ihr Verhalten, vernachlässigen andere Interessen und ignorieren gesundheitliche Beeinträchtigungen. Für die Kinder und Jugendlichen wird der Computer dann wichtiger als Freunde, Eltern, Hobbys oder Schule. „Das kann so weit gehen, dass diese Kinder den Herausforderungen der realen Welt kaum noch gewachsen sind und sich von ihrer Umgebung regelrecht entfremden“, so Wunsch.

Eltern sollten versuchen, mit ihrem Kind darüber zu sprechen und fragen, warum es so lange online ist. Experten empfehlen, möglichst nicht zu bewerten, sondern neugierig auf die Erklärungen ihres Kindes zu sein. Betroffene Eltern können sich auch an eine Erziehungsberatungsstelle wenden. Dort kann geklärt werden, ob der Verdacht auf eine Mediensucht berechtigt ist. Hilfreiche Informationen gibt es im Internet unter www.aok.de/nw

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