24. November 2021
Glinder Zeitung

Bilanz nach schwerer Startphase

StoP-Koordinatorin zieht zurück an den Rhein

StoP-Koordinatorin Julia Eckert verlässt Glinde nach zweieinhalb Jahren wieder Foto: Schult

StoP-Koordinatorin Julia Eckert verlässt Glinde nach zweieinhalb Jahren wieder Foto: Schult

GLINDE „Ich habe gemerkt, dass es eine Stelle wie StoP braucht“, zieht Julia Eckert nach zweieinhalb Jahren Bilanz. Sie hat das Projekt „Stadt ohne Partnergewalt“ (StoP) aufgebaut. Jetzt verlässt sie Glinde und zieht zurück an den Rhein, in die Gegend aus der sie stammt. Es gebe familiäre Gründe, sagt sie. Zudem habe sie dort eine Stelle gefunden „bei der ich auf anderer Ebene etwas bewirken kann, was Frauen auch hilft.“

StoP-Koordinatorin Julia Eckert verlässt Glinde nach zweieinhalb Jahre wieder Foto: Schult
StoP-Koordinatorin Julia Eckert verlässt Glinde nach zweieinhalb Jahre wieder Foto: Schult

Die Freude über die Veränderung ist aber auch verbunden mit etwas Wehmut: „Ich habe hier tolle Menschen kennengelernt, die ich vermissen werde.“ Dazu gehörten jene, die sich ehrenamtlich für StoP engagieren. „Sie werden es weiter tragen“, davor geht Julia Eckert aus, auch ohne hauptamtliche StoP-Koordinatorin. Denn eine Nachfolgerin wurde bisher noch nicht gefunden. Mit dem Projekt StoP sollen die Glinder darauf aufmerksam gemacht werden, dass körperliche ebenso wie psychische Gewalt in Partnerschaften ein Problem ist. Betroffene sollen den Mut finden, Hilfsangebot zu nutzen für ein möglichst friedliches und sichereres Leben in der Stadt.

StoP startete in einer schwierigen Zeit, denn die Corona-Pandemie schränkte auch dafür die Möglichkeiten stark ein. Doch bereits beim ersten Informationsstand nach dem Lockdown habe sie viel Zuspruch bekommen, so Eckert.
„Die Leute freuten sich wieder persönlich miteinander zu sprechen. „Das hätten wie schon viel früher gebraucht“, hätten ihr mehrere ältere Frauen gesagt. Inzwischen sind Treffen mit Gruppen wieder möglich und sie habe dabei starke Frauen kennengelernt, die sich für die Rechte von Frauen einsetzen.
Es sei wichtig Frauen zu stärken, damit sie nicht in Partnerschaften bleiben, die ihnen nicht gut tun. Was sollte das Projekt in der Zukunft leisten? „StoP muss aus dem Gutshaus herausgehen und andere Ecken in der Stadt erobern“, so Eckert. Ein Nachbarschaftstreff im Stadtteil Wiesenfeld könne dazu gehören und werde bereits vorbereitet. Die Umsetzung sei durch Corona jedoch bisher nicht so einfach gewesen.
Welche Anforderungen muss eine StoP-Koordinatorin erfüllen? Sie muss auf Menschen zugehen und mit ihnen reden können, so Eckert. Natürlich müsse sie erkennen, dass Gewalt in der Partnerschaft kein Einzelschicksal sei, sondern ein strukturelles Problem. Und sie müsse akzeptieren können, wenn jemand keine Hilfe wolle oder noch keine Hilfe annehme. „Sie muss menschenfreundlich sein“, sagt Eckert. „Eigentlich ist das nicht so schwer zu erfüllen.“

stop-partnergewalt.org

Auch interessant