14. Juli 2021
Glinder Zeitung

Angst vor der ungewissen Zukunft

Verein Afghanistan-Schulen nach dem Abzug der Bundeswehrsoldaten

Die Khancharbagh Dorfschule hat der gemeinnützige Verein Afghanistan-Schulen gebaut Foto: Privat

Die Khancharbagh Dorfschule hat der gemeinnützige Verein Afghanistan-Schulen gebaut Foto: Privat

OSTSTEINBEK Mit einer Mischung aus Sorge und Optimismus blickt Marga Flader, Vorsitzende des Vereins Afghanistan-Schulen, in das Land am Hindukusch, in dem sie seit Jahrzehnten für Bildungsmöglichkeiten sorgt, indem spendenfinanzierte Schulen gebaut werden.

Die Region rund um die Stadt Andkhoi im Nordwesten des Landes, in der die Ausbildungs- und Frauenzentren liegen, ist seit dem 28. Juni unter Kontrolle der Taliban. Anfang April hat zudem der NATO-Rat beschlossen, die am Hindukusch stationierten Truppen abzuziehen.
Die Bundeswehr hat ihre Truppen bis zum 4. Juli abgezogen, bis zum 11. September sollen die letzten ausländischen Soldaten das Land verlassen. „Das Land ist zurzeit noch geteilt“, berichtet Marga Flader.

Marga Flader, Vorsitzende des Verein Afghanistan-Schulen Foto: Rutke
Marga Flader, Vorsitzende des Verein Afghanistan-Schulen Foto: Rutke

Während in Kabul und Mazar-e-Sharif die Taliban die Regierungstruppen verdrängen, ist es in Andkhoi noch ruhig. „Hier gab es vom 24. bis 26. Juni Kämpfe zwischen den Taliban und den Regierungstruppen“, berichtet Flader. Andkhoi wurde nicht von den Regierungstruppen verteidigt, sie sind wieder abgezogen. Das hat zur Folge, dass viele Menschen die Stadt verlassen, besonders diejenigen, die Einfluss haben. Behördenbüros seien geplündert worden. Die Schulen sind aber nicht betroffen, da sie aufgrund der Ferien geschlossen sind, weiß die Oststeinbekerin. Zum Glück gibt es dort in den Projekten weder Opfer zu beklagen noch wurden Gebäude zerstört. Die Kurse, die der Verein anbietet, können aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden.
Die Lebensbedingungen im Land sind für die Menschen damit noch schwieriger geworden. Banken sind geschlossen, Lebensmittelgeschäfte zwar geöffnet, aber es gibt Lieferschwierigkeiten, so Flader. Die Taliban versuchen, neue Strukturen aufzubauen, sagt sie. Die Mitglieder des Vereins lassen sich aber nicht einschüchtern. „Wir planen, mit den Taliban zu verhandeln“, berichtet Marga Flader. Ziel sei es, die Kurse wieder aufnehmen zu können. Es handelt sich dabei um Förderkurse für die Schulklassen der Jahrgänge sieben bis zwölf, in denen die Mädchen und Jungen auf die Universität vorbereitet werden. Für Frauen bietet der Verein spezielle Alphabetisierungs- und Nähkurse an.
Für die Verhandlungen setzt Marga Flader auf ihr bewährtes Team vor Ort. Sie selbst bereitet zurzeit Projektanträge vor für einen Schulneubau inklusive Fortbildung für die Lehrer und die Hausmeister und ein Projekt zur Berufsausbildung für Frauen in der Marmeladenproduktion.
Marga Flader war zuletzt vor zwei Jahren in Afghanistan und plant, in diesem Jahr im September hinzufahren. „Wir fühlen uns den Menschen dort sehr verbunden“, sagt die Oststeinbekerin. Um weiter für Bildungsmöglichkeiten in Afghanistan zu sorgen, ist der Verein auf Spender angewiesen.

Alle Infos zum Verein unter www.afghanistan-schulen.de

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