10. April 2021
Geesthacht

Ein Acker für die Kiebitz-Rettung

Nabu und Bauunternehmer wollen für Vögel eigene Fläche pachten

Gesine und Günter Lemke sowie Friedhelm Ringe (Nabu, r.) arbeiten an einem Rettungsplan für die letzten Kiebitze im Südkreis Foto: Dirk Palapies

Gesine und Günter Lemke sowie Friedhelm Ringe (Nabu, r.) arbeiten an einem Rettungsplan für die letzten Kiebitze im Südkreis Foto: Dirk Palapies

HOHENHORN/GEESTHACHT Die gute Nachricht: Die Kiebitze sind zurück auf ihrer letzten Rückzugsfläche im Südkreis. Auf einer Wiese bei Hohenhorn am Rande eines Knicks fühlen sich die wendigen Vögel offenbar wohl.

Es gibt auch eine schlechte Nachricht: Es sind noch weniger Kiebitze als vor einem Jahr. Fünf Vögel hat Dr. Friedhelm Ringe vom Geesthachter Nabu ausgemacht. 2020 waren es vier Paare, 2010 zehn. Zwischen 2014 und 2017 gab es keine Brut.
Ob es dieses Mal mehr Nachwuchs geben wird als vor einem Jahr? Damals hatte sich ein Vater mit seinem letzten Küken im Regenrückhaltebecken an der Mercatorstraße verschanzt, es wider Erwarten allein durchgebracht. Das Kleine war der einzige Nachwuchs der gesamten Hohenhorner Kolonie – viel zu wenig, um den Bestand der Art hier zu erhalten.

Denn die Kiebitze sind zwar sehr energisch, wenn es um die Verteidigung ihrer Brut geht. So setzen sie sich regelmäßig gegen die in der Hohenhorner Kirche brütenden Turmfalken erfolgreich zur Wehr. Aber sie benötigen eine gewisse Gruppengröße bei der Abwehr von Fressfeinden. Zumal sie ihre Nester ausschließlich auf den offenen Boden bauen.

Vielleicht gibt es im kommenden Jahr eine Wende zum Besseren. Einer, der die Geschichte des letzten Kiebitzkükens 2020 in der Lauenburgischen Landeszeitung gelesen hatte, ist Günter Lemke. Sie hat ihm keine Ruhe gelassen. Der in der Region bekannte Bauunternehmer aus Hamwarde – den Betrieb leitet mittlerweile der Sohn – will dem Nabu helfen, eine Fläche zu pachten und für Kiebitze herzurichten.

Lemke, Jahrgang 1940, macht die aktuelle Situation betroffen. „Ich bin in Hamwarde groß geworden“, erzählt er. „Da gab es große Felder bis Wiershop mit Scharen voller Kiebitze, auch Richtung Geesthacht waren es sehr viele.“
Wenn sie als Jungen damals über die Felder streiften, die Attacken der Kiebitze ignorierten und einem Nest zu Nahe kamen, griffen die Altvögel zu einem allerletzten Trick, erinnert sich Günter Lemke. „Sie taten dann so, als ob sie verletzt seien und ließen einen Flügel hängen, so versuchten sie, uns hinter sich herzulocken.“ Die Bauern pflügten noch mit Pferden, dem Pflug folgten Vögel in Massen, um die Würmer aufzupicken. „Wenn ich bedenke, was ich früher als Junge alles gesehen habe – und heute ist alles weg“, sagt Lemke. Das beträfe Rebhühner, Feldlerchen, Fasane und die Hasen.

Fünf Hektar sollen es nach Wunsch des Nabu sein für die Kiebitzrettung. Je nach Qualität des Bodens fallen als Jahrespacht etwa 600 bis 800 Euro pro Hektar an. Günter Lemke will die Entwicklung mit einer Spende befeuern, hofft auf zahlreiche Nachahmer, wenn die Pläne ausgearbeitet sind. Vielleicht leistet auch der gemeinnützige Deutsche Verband für Landschaftspflege Unterstützung. Dr. Friedhelm Ringe ist zuversichtlich.

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