20. Mai 2023
Veddel

In die Kirche ziehen Ärzte und Awo

Historischer Bau soll Stadtteilzentrum werden

Im Garten des Gemeindehauses mit Weinreben an der Hauswand und Kirchturm im Hintergrund: Judith Szillus vom Kirchengemeinderat (l.), Ralf Neubauer und Diakonin Ursula Hoffmann Foto: ww

VEDDEL Ein Wahrzeichen sind Immanuelkirche und Turm seit 118 Jahren im Viertel. Beides bleibt erhalten, doch zukünftig soll das historische Gemäuer mit einer Grundfläche von 1750 Quadratmetern – zentral gelegen in der Wilhelmsburger Straße 73 – ein neues Stadtteilzentrum werden.

Grund für die Veränderung: Auch diese Kirchengemeinde klagt über Schwund: „Rund 700 Menschen zählt die Gemeinde momentan, als ich vor neun Jahren kam, waren es noch 100 Leute mehr – zu wenig für eine Pastorenstelle“, sagt Diakonin Ursula „Uschi“ Hoffmann.

Das Problem, die laufenden Kosten für Erhalt und Unterhalt der Kirche mit marodem Turm und Nebentrakten sind laut Hoffmann extrem hoch. Die Idee zur Veränderung war deshalb bereits vor neun Jahren da, erinnert sie sich – längst schon hat die Kirche keine hölzernen Sitzbänke mehr, sondern roten Teppich.

Mit zwei lachenden Augen sieht Judith Szillus vom Kirchengemeinderat die große Veränderung und sagt: „Vieles kommt weg und vieles wird schlecht hier, das neue Stadtteilzentrum aber ist eine gute und wichtige Chance fürs Viertel.“ Bei ihrem letzten runden Geburtstag wurde der jungen Mutter kürzlich klar, dass sie mit 20 Jahren bereits die Hälfte ihres Lebens gerne auf der Veddel verbringt. Sie ist nach Ende des Studiums nie von hier weggezogen.
Die Immanuelkirche – errichtet 1905 und wieder aufgebaut in den 1950-er Jahren – steht auf städtischem Grund und wurde durch den Bezirk Hamburg-Mitte vom evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Hamburg-Ost übernommen.

Herzstück des neuen Stadtteilzentrums wird die Poliklinik Veddel (hat bisher drei Standorte). Neben zwei bestehenden Hausarztpraxen sollen zukünftig auch eine für Gynäkologie und eine Kinderarzt-Praxis hier sein. Dazu kommen Awo-Senioren-Treff und „BI Bildung und Integration Hamburg Süd“. Auch die Kirche bleibt mit sozialen und kulturellen Projekten präsent. Geplant sind dazu offene Begegnungsräume zum Mieten für private Feiern, Vereine und Initiativen und ein (am liebsten nicht kommerzielles) Café – wie das bestehende „Café Nova“ –als Treffpunkt für alle.

„Über Kosten und Zeitplan kann man noch nichts sagen, aber mit der Machbarkeitsstudie ist der erste Schritt getan. Nun soll über ein Wettbewerbsverfahren ein konkreter Entwurf ermittelt werden. Parallel wird mit den künftigen Nutzerinnen und Nutzern ein tragfähiges Betreiberkonzept erarbeitet“, sagt SPD-Bezirkspolitiker Ralf Neubauer, Leiter vom Bezirksamt Mitte. „Mir persönlich liegt dieses Projekt am Herzen, denn die Veddel hat ein solches Stadtteilzentrum verdient!“

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