5. August 2023
Eimsbüttel

Klamotten nach Gewicht kaufen

Im Kiloladen gibt es modische Wundertüten

In der Osterstraße 147 haben Miriam und Ozan Avci den ersten „Kilo-Laden“ für Second-Hand-Mode in Eimsbüttel im September 2022 eröffnet Foto: Andresen

EIMSBÜTTEL Im „Kilo-Laden“ in der Osterstraße wird Second-Hand-Mode nach Gewicht verkauft.

„Achthundert Gramm Jeansjacke“, sagt Ozan Avci, „macht 19,90 Euro.“ Über den Ladentisch gehen hier keine Metzgereiprodukte oder frische Lebensmittel. In Avcis Second-Hand-Shop „Kilo-Laden“ in der Eimsbütteler Osterstraße 147 werden die Klamotten nach Gewicht verkauft.

Ein ziemlich neues Geschäftsmodell, mit dem Avci und seine Ehefrau Miriam in diesem Quartier bisher Vorreiter sind und das immer besser läuft. Über den Preis entscheidet dabei nicht die Ware, sondern die Waage.
Alle zwei Wochen liefert ein Großhändler ein komplettes Sortiment für den ganzen Laden. Und egal ob Jacke, Hose, Hemd, T-Shirt, Bluse oder Schlips – alles kostet am ersten Tag 39,99 Euro pro Kilo, jeden darauffolgenden Tag in der ersten Woche fällt der Preis um einen Euro. In Woche zwei startet der Kilo-Preis bei 29,99 Euro und geht dann pro Tag um mindestens einen Euro runter, am Ende der 14 Tage sind letztlich nur noch 21,99 Euro pro Kilo fällig. Was nicht verkauft ist, geht zurück an den Großhändler, der seinerseits dann wieder einen neuen Ladeninhalt liefert.

Abgerechnet wird aufs Gramm genau nur das, was er laut Waage kaufen möchte. Aussuchen können Ozan und Miriam Avci sich ihrerseits ihre Ware beim Großhändler nicht. „Das ist schon jedesmal wie eine große Wundertüte“, sagt Miriam, „im Schnitt sind wir mit den Sachen sehr zufrieden.“ Die Kunden inzwischen offenbar auch. Denn als der „Kiloladen“ im September 2022 seine Türen öffnete, lief das Geschäft keineswegs reibungslos. Miriam Avci: „Viele Kunden waren misstrauisch, dachten, das die Sachen nicht richtig sauber seien oder Mängel hätten. Aber dann kamen immer mehr, speziell jüngere Leute, Schüler und Studenten, die für wenig Geld schicke und gute Sachen wollten. Und für die natürlich auch der Nachhaltigkeitsfaktor eine große Rolle spielt.“

Die Idee, Textilien pro Kilo an die Leute zu bringen, hatte übrigens Miriams Vater, der damit in Polen sehr erfolgreich war, in den 90er-Jahren dort sogar 99 Läden betrieb. In Polen sind es jetzt nur noch acht, in Deutschland fünf. Miriam und Ozan managen zwei davon, einen in Flensburg und den in der Osterstraße. Und beide laufen mittlerweile so gut, dass jetzt ein weiterer eröffnet werden soll. „Vielleicht wird es auch ein zweiter Kilo-Laden in einer anderen Ecke von Eimsbüttel.“ Fest steht auch: Das Duo braucht mehr Personal. Miriam: „Wir suchen Leute, die Spaß am Job als Verkäufer bei uns haben, und wenn diese gewissenhaft und gut sind, zahlen wir auch klar mehr als den momentanen Mindestlohn.“

Wer Lust auf und Interesse an dem Job hat, kann sich unter kilo.laden@yahoo.com melden.

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