8. Juli 2023
Altona

„Wir haben eine große Chance vertan“

Pavillon wird keine Obdachlosen-Einrichtung

Das Streitobjekt: In diesem stattlichen Pavillon direkt am Altonaer Bahnhof verkaufte McDonalds bis Ende letzten Jahres Fastfood Foto: dja

ALTONA  Denn erstens kommt es anders – und zweitens, als man denkt! Ziemlich exakt endete der Showdown beim Polit-Krimi in der Altonaer Bezirksversammlung um die Zukunft des Pavillons am Altonaer Bahnhof (Elbe Wochenblatt berichtete).

Denn weder die von der Linken-Fraktion beantragte Lösung, die frühere McDonalds-Kultfiliale künftig für ein Obdachlosen-Projekt zu nutzen, noch die CDU-Forderung nach einem Abriss des Gebäudes fanden bei der finalen Abstimmung die nötige Mehrheit. Stattdessen triumphierten die Grünen mit ihrem quasi in letzter Minute gestellten Antrag. Dieser sieht vor, dass der Pavillon jetzt auf fünf Jahre zeitlich begrenzt vom städtischen Eigner Sprinkenhof AG vermietet werden darf – mit einem Interessenten sollen die Verhandlungen darüber angeblich schon kurz vor dem Abschluss stehen. Eine Verlängerungsoption für eine Vermietung soll es nach diesem Beschluss allerdings nur kurzfristig und auch nur dann geben, wenn die Neuordnung des Bahnhofes nicht – wie bisher vorgesehen – pünktlich bis 2028 gewährleistet ist.

Bis zuletzt hatte Linken-Fraktionschef Karsten Strasser darauf gehofft, dass die Grünen sich dem Antrag seiner Fraktion für eine Obdachlosen-Hilfseinrichtung aus sozialen Aspekten anschließen würden. Dieses lehnten diese allerdings mit der Begründung ab, dass der Pavillon nicht barrierefrei zugänglich sei und dort zudem keine geeigneten Ruheräume zur Verfügung stünden. Strasser: „Das stimmt insofern schon mal nicht, weil es bereits jetzt einen barrierefreien Zugang gibt, der ohne großen Aufwand um andere erweitert werden könnte.“ Der CDU-Abrissantrag wurde von den Grünen als „nicht zielführend“ kurz und bündig abgeschmettert. Mit den Stimmen der FDP – und interessanterweise offenbar auch der AfD – kamen die Grünen schließlich auf mehr als die 21 benötigten Stimmen.

Für Strasser ist das Ergebnis „eine vertane Riesenchance. Wir hätten mit dem Obdachlosen-Projekt Menschen, die unsere Hilfe wirklich mehr als dringend brauchen, die Hand reichen und nachhaltig helfen können.“ Mit dem Verein „Nachtcafé e.V.“ hätte ein qualifizierter und mit solchen Projekten in Hamburg erfahrener Betreiber bereits großes Interesse gezeigt. Die Linken wollen ihren Plan indes trotz des aktuellen Rückschlages weiter verfolgen. Dazu Strasser: „Wir bleiben an diesem Thema dran. Und wir werden jetzt im zuständigen Sozialausschuss darauf drängen, dass dieser den Verein Nachtcafé e.V. bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten für das Obdachlosen-Projekt effektiv unterstützt.“

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