17. September 2022
Schwarzenbek

Dringender Appell an private Vermieter

Kreis sucht weitereren Wohnraum für Flüchtlinge

Landrat Christoph Mager, Einrichtungsleiterin Ina Staedt und Diakonie-Chef Ulf Kassebaum (v.l.) vor der Gemeinschaftsunterkunft in Gudow Foto: Marcus Jürgensen

SCHWARZENBEK 40 bis 50 Flüchtlinge kommen wöchentlich neu in das Herzogtum Lauenburg. Doch die Kapazität all diese Menschen aufzunehmen, stößt an Grenzen.

Immer wieder kommen an diesem Nachmittag Menschen mit Koffern, Taschen oder Pappkartons, gefüllt mit Bekleidung und Haushaltsutensilien, in die Gemeinschaftsunterkunft des Kreises in Gudow. Aktuell leben 54 Menschen in der Sammelunterkunft, knapp zwei Drittel sind aus der Ukraine geflüchtet.

Doch die Menschen mit Koffern und Tüten sind nicht etwa gerade angekommen, sondern sie haben die Kleiderkammer besucht, die von der Initiative „Runder Tisch Willkommenskultur“ eingerichtet wurde. Eine Grundausstattung haben viele der Flüchtlinge, neben Ukrainern vor allem Menschen aus Afghanistan, Irak und Iran, bereits in den Landesunterkünften erhalten. Doch das reicht nicht aus, etwa um zu kochen. Was die Kleiderkammer zusätzlich benötigt, sind Spielzeug, Dreiräder oder Bobbycars für die Kinder. Die Gemeinschaftsunterkunft am Kaiserberg 23 ist erreichbar unter T 0 45 47/12 31.

Die zweite Containeranlage in Gudow entspanne die Situation vielleicht für zwei Wochen, so Landrat Dr. Christoph Mager: „Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge.“ Man wolle möglichst vermeiden, Sporthallen belegen zu müssen. Das würde erhebliche Auswirkungen auf den Schulbetrieb haben und zu gesellschaftlichen Spannungen führen, ist der Landrat überzeugt.

Kommunen zahlen Miete und Energiekosten

Rechne man die aktuellen Zahlen hoch, bedeute dies, dass bis Jahresende mit weiteren 800 Flüchtlingen zu rechnen sei. Mager: „Ich halte es für genauso gut möglich, dass es deutlich mehr werden. Die Alternative, dass der Krieg endet und alle nach Hause zurückkehren, ist deutlich unwahrscheinlicher.“ Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 haben die Städte, Ämter und Gemeinden im Kreis bereits mehr als 2200 geflüchtete Personen aufgenommen.

Weil die Wohnraumkapazitäten der Städte, Ämter und Gemeinden nahezu erschöpft sind, appelliert Mager noch einmal an die Bürger, ungenutzte Einlieger- oder Ferienwohnungen zur Verfügung zu stellen.
Eine Sorge kann Mager den Vermietern jedoch nehmen: Die Wohnungen werden zumeist von den Kommunen angemietet, die die Miete und auch die Energiekosten übernehmen. Zudem würden die Mietverträge befristet abgeschlossen.

„Wer Flüchtlinge aufnimmt, muss auch nicht befürchten, diese jetzt betreuen und zu Behörden begleiten zu müssen“, sagt Kassebaum. Dafür gebe es Fachpersonal, wenn auch zu wenig.

Wer Wohnraum anbieten möchte, kann sich bei den Sozialämtern der Städte und Ämter sowie beim Kreis unter T 0 45 41/88 85 26 melden

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