22. Mai 2021
Schwarzenbek

Corona und die Senioren

Residenz-Bewohner berichten über Ängste und Erwartungen

Heim

Das Zimmer von Klaus Hauschild gleicht einem Antik-Geschäft Foto: Frauke Maaß

SCHWARZENBEK Seit gut einem Jahr beherrscht die Corona-Pandemie das Leben. In den ersten beiden Wellen waren vor allem Bewohner von Alten- und Pflegeheimen von dem Virus und vielen Todesfällen betroffen. Viele Monate der Kontaktbeschränkungen und Isolation folgten. Besuche von Angehörigen waren mit hohen Auflagen verbunden oder untersagt, Unterhaltungsangebote und Aktivitäten in den Heimen gestrichen.

Mittlerweile hat sich die Situation auch dank der Impfungen entspannt. Aber wie geht es den Menschen, die so lange abgeschottet gelebt haben? Ein Besuch in der Senioren-Residenz Sankt Franziskus in Schwarzenbek: „Glücklicherweise hatten wir hier nicht einen einzigen Corona-Fall“, sagt Residenzleiterin Tanja Schmalfeld. Dennoch mussten in dem Haus an der Berliner Straße die Verordnungen natürlich genauso streng umgesetzt werden wie in allen Alten- und Pflegeheimen des Landes. „Für viele Bewohner war das trotz unserer großzügigen Zimmer zwischen 27 und 45 Quadratmetern eine schwierige Zeit“, weiß die 43-Jährige.

Ilse Heitmüller nickt. Die 92-Jährige lebt seit 2011 in einem der Doppelzimmer. Zum Glück habe sie eine Mitbewohnerin gehabt, denn die Kontaktbeschränkungen nach außen, aber auch innerhalb des Hauses haben die Seniorin sehr belastet. „Dass ich meine Kinder nicht sehen durfte, war das Schlimmste“, sagt sie unter Tränen. Telefonate waren möglich, aber Video-Telefonie? Ilse Heitmüller schüttelt den Kopf, nein, das kann sie nicht. Die Traurigkeit sitzt noch immer tief. Das spürt man.

„Die Berührungen fehlen“, bekennt auch Ursula Hutfils. Sie ist mit Ilse Heitmüller seit Langem befreundet. Beide genießen ihre täglichen Klönschnacks in der kleinen Nische im Erdgeschoss.

„Wir sind erleichtert“

„Wir erzählen gern Witze“, gesteht Ursula Hutfils. „Und wir sind geimpft“, sagen sie erleichtert. Besuche sind wieder erlaubt. Spielenachmittage, Sitzgymnastik und gemeinsame Essen im Saal finden wieder statt. „Wir sind froh, dass wieder ein wenig Normalität herrscht“, sind sie sich einig.

Das bestätigt auch Klaus Hauschild, obwohl er mit der Pandemie und den Einschränkungen kein so großes Problem hatte. „Ich kann mich wunderbar allein in meinem Zimmer beschäftigen“, teilt er mit. Seit 2014 ist der humorvolle 74-Jährige in Sankt Franziskus. Durch eine schwere Krebserkrankung war ihm ein Alleinleben nicht mehr möglich. Aber Klaus Hauschild gibt sich lebensfroh. „Körperlich bin ich eingeschränkt, aber psychisch fit“, betont er. Der ehemalige Förderschullehrer aus Schwarzenbek hat sich seine eigene Welt eingerichtet, in der er es gut aushalten kann. Sein Zimmer ist voller Bilder, Bücher, antiker Möbel und Krüge. Worauf er sich freut? „Ich möchte wieder auf Antikmärkte fahren“, sagt er. Aber jetzt muss er los: Rummikub mit den anderen Bewohnern spielen.

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