23. Juli 2022
Mölln

Landwirtschaft in Sorge und im Wandel

Preise sind hoch – Kosten aber auch

In Brunstorf wurde über die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert Foto: Kreisbauernverband

MÖLLN Die Wintergerste im Kreis Herzogtum Lauenburg ist abgeerntet, in dieser Woche ist der Raps dran. Und die Preise sind immer noch hoch: Futtergerste ist mit 277,30 Euro pro Tonne aktuell fast doppelt so teuer wie im Vorjahr, gleiches gilt etwa für Weizen (330,70 Euro).

Das Problem sind aber nicht die Preise, sondern die Kosten: „Viele Landwirte erzielen sehr gute Preise, haben aber große Sorgen um die Betriebsmittelversorgung“, so Peter Kroll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands in Mölln. So hat es allein beim mineralischen Dünger wegen eines möglichen Gaslieferstopps durch Russland eine Preissteigerung um 300 Prozent gegeben.

Der Grund: Die Stickstoffproduktion nach dem Haber-Bosch-Verfahren braucht Temperaturen von bis zu 500 Grad und ist deshalb besonders energieintensiv. Was für die Ernte gilt, gilt auch für andere Bereiche: So können Schweinehalter auf dem Markt aktuell hohe Preise erzielen und machen dennoch ein Minus: Die Futtermittelpreise sind zu hoch.
Das gilt auch für die Milch. „Wir haben so hohe Preise wie seit 50 Jahren nicht mehr“, sagt Kroll.

Das merken auch die Kunden an den Supermarktkassen: Dort zahlen sie zwischen 1,15 und 1,79 Euro pro Liter Milch oder Bio-Milch. Im Vorjahr lagen die Preise noch unter einem Euro oder knapp darüber. Auch hier sind die Kosten stark gestiegen und: Die Verarbeitung der Rohmilch in den Molkereien ist energieintensiv und auf Erdgas angewiesen. „Wird das Gas knapp, stehen die Molkereien still“, so Kroll. Die hohen Lebensmittelpreise führen noch zu einen weiteren Effekt, den die Landwirte bereits bei Spargel und Erdbeeren spürten: Obwohl die Preise auf Vorjahresniveau lagen, gingen die Verkäufe um teils 25 Prozent zurück. Kroll: „Angesichts der allgemeinen Preissteigerung überlegt sich der Verbraucher genau, was er in den Warenkorb legt.“

Doch trotz hoher Verbraucherpreise ist die Zukunft der Landwirtschaft alles andere als sicher – das war auch Thema der Fachvorträge beim Kreisbauerntag in Brunstorf. Mehr als 350 Besucher aus Gesellschaft, Politik und Landwirtschaft diskutierten über nachhaltigere Produktionsweisen und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges. Sie forderten, dass Ökosystemleistungen freiwillig bleiben müssen. Vorrang müsse die Lebensmittelversorgung genießen.

Hans-Peter Grell, Vorsitzender des Kreisbauernverbands

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