4. September 2021
Geesthacht

Zum Glück ist es Geesthacht geworden

Pastorin Jana Wagner (32) tritt die Nachfolge an

Die neue Pastorin Jana Wagner vor ihrem Arbeitsplatz, der St. Salvatoris-Kirche in Geesthacht Foto: Dirk Schulz

Die neue Pastorin Jana Wagner vor ihrem Arbeitsplatz, der St. Salvatoris-Kirche in Geesthacht Foto: Dirk Schulz

GEESTHACHT Bis zwei Wochen vor ihrer Abiturprüfung schien der berufliche Werdegang von Jana Wagner vorgezeichnet. Die Barmbekerin wollte Tierärztin werden und hatte auch bereits einen Ausbildungsplatz als Tierarzthelferin in der Tasche. Bis die Zusage unvermittelt widerrufen wurde. „Das war ein Schock“, erinnert sich die heute 32-Jährige.

Pastorin zu werden, war für die Tochter einer Diakonin und eines Journalisten damals weit weg. „Kirche war immer meine Privatsache. Ich war zwar von klein auf in Kontakt und bin als Teamerin bei Kirchenfreizeiten mitgefahren, aber das zu meinem Beruf zu machen, daran hatte ich nicht gedacht“, sagt Jana Wagner.

Es sollte anders kommen. Seit Juni ist sie als Nachfolgerin des in den Ruhestand eingetretenen Gunnar Penning in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Geesthacht als eine von drei Pastorinnen neben Saskia Offermann und Birgit Penning angestellt.

Kennenlernen am Sonntag

Wer Jana Wagner kennenlernen möchte: Am Sonntag, 5. September, um 11 Uhr beginnt ihr offizieller Vorstellungsgottesdienst in der St. Salvatoris-Kirche samt Einsegnung durch Pröpstin Ulrike Murmann. Das Bibelwort, das sich Jana Wagner für ihre Predigt ausgesucht hat, spiegelt dabei auch ihre eigene Geschichte wider. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ heißt es in Psalm 31. Oder wie es die neue Pastorin mit anderen Worten sagt: „Wo eine Tür zugeht, geht eine neue auf. Es gibt so viele Möglichkeiten im Leben.“

Dieser Gedanke half ihr auch in ihrer Ausbildung, etwa als sie in ihrem Theologie-Studium durch die Prüfung in Alt-Griechisch fiel und Zweifel aufkamen, ob ihre Wahl richtig ist.

„Im Vikariat (dem 2,5 Jahre dauernden praktischen Ausbildungsteil, die Red.) habe ich gemerkt: Das ist es, was ich machen will.’“ Auf das Vikariat folgt nun die Entsendung zur dreijährigen Probezeit nach Geesthacht. Einen Ort, den sie trotz der Nähe zu Hamburg vorher „nicht auf dem Radar“ hatte. Jetzt sagt sie: „Zum Glück ist es Geesthacht geworden. Ich liebe das Wasser, hier ist man schnell im Wald. Und auch die Kirche liegt schön.“

Bislang pendelt sie noch, wenn ihre Wohnung über dem Kirchenbüro fertig renoviert ist, zieht sie mit ihrem Freund hierher.

In Geesthacht möchte Jana Wagner Theologie wieder greifbarer machen. „Früher sind die Menschen zu uns gekommen. Heute müssen wir einladender werden“, sagt die Pastorin. Und weiter: „Bei uns geht es um Fragen zu Leben und Tod und Sinn und Sein. Wir glauben und zweifeln zusammen.“

Zusammen glauben

Zweifel gab es übrigens auch unter den Atheisten in ihrem Freundeskreis, als sie hörten, dass sie doch Pastorin werden wollte. „Wie kannst du solche Geschichten aus der Bibel glauben?“, hörte sie oft. Ihre Antwort: „Man darf nicht alles wörtlich nehmen. Vieles sind Symbole. Etwa, wenn Gott aus dem brennenden Dornenbusch spricht, ist es eine Geschichte, wie Gott den Menschen nahekommt. Er ist nicht allmächtig, aber er ist da. Ganz sicher.“

Die St. Salvatoris-Kirche ist täglich von 10 bis 17 Uhr zum Beten geöffnet

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