3. Juli 2021
Geesthacht

Wenn die Bienen ins Sommerloch fallen

Nabu-Biologe warnt vor der „Blühlücke “ ab Juli

Dr. Friedhelm Ringe vom Nabu warnt vor der Trachtlücke. Bienen und andere Insekten finden im Sommerloch keine Futterpflanzen, wenn die letzten blühenden Pflanzen abgemäht werden Fotos: Palapies

Dr. Friedhelm Ringe vom Nabu warnt vor der Trachtlücke. Bienen und andere Insekten finden im Sommerloch keine Futterpflanzen, wenn die letzten blühenden Pflanzen abgemäht werden Fotos: Palapies

GEESTHACHT „Viele Vorgärten sind nicht einfach nur Rasen, es ist schlimmer: Es sind reine Biodiversitätswüsten“, ärgert sich Dr. Friedhelm Ringe. Soll heißen: Wo der rechte Winkel herrscht, wächst außer akribisch gemähtem Gras nichts anderes mehr.

Diese Art der Gartengestaltung wird für Bienen und viele andere Insekten gerade jetzt gefährlich – lebensgefährlich. Denn ihnen gehen die Futterpflanzen aus. „Wir steuern auf die Trachtlücke zu“, erklärt der Biologe, der im Geesthachter Naturschutzbund (Nabu) aktiv ist. „Es blühen jetzt noch die Sommer- und die Winterlinde, dann kommt nichts mehr“, sagt er. Aus Bienensicht gilt die Linde im Norden nach dem Raps als zweitwichtigste Tracht des Jahres.

Aber es gibt Hoffnung: Auf seinen Streifzügen durch die Stadt hat Dr. Friedhelm Ringe festgestellt, dass einige Geesthachter begonnen haben, blühende Wildpflänzchen in ihren Gärten mit dem Mäher zu umkurven. Er wünscht sich, dass so ein Verhalten bei immer mehr Gartenbesitzern Schule macht.

„Wir haben wahnsinnige Einbußen an Insekten, das geht nicht mehr“, sagt er. „Bitte alles stehenlassen, was jetzt so nett blüht.“ Auch bei einigen, die ehemals Schottergärten angelegt haben, hat er ein Umdenken ausgemacht. „Ein Rückbau ist relativ einfach“, erklärt Dr. Ringe. „Wenn keine Folie unter den Steinen liegt, da einfach Sand mit Erde gemischt hineinstreuen, dann wächst ganz von allein etwas. Und man sollte ertragen, wenn es nicht so ordentlich aussieht.“

Auch die Stadt Geesthacht kämpft weiter gegen Blühlücken. Nützen werden die an der Querstraße angelegten jüngsten Geesthachter Blühstreifen den Insekten aber erst im nächsten Jahr, dafür sind sie noch zu frisch. Wenn die Aussaat erfolgt ist, werden abschließend Fichtenstämme ausgelegt, damit keine Autos die sprießenden Pflänzchen kaputt parken. Die Fichten wurden wegen eines Borkenkäferbefalls gefällt.
Natternkopf und Mohn

Die Stadt experimentiert hier mit drei verschiedenen Saatmischungen. Die spannende Frage: Kommt es zu mehr Vielfalt? Oder setzen sich doch wieder die „üblichen Verdächtigen“ durch? Geht alles gut, blühen im kommenden Jahr unter anderem Natternkopf und Mohn, Ringel- und Kornblume, Königskerze und Weiße Lichtnelke an der Querstraße. Zusätzlich zum Mauerpfeffer, der sich bereits an einer Steinumrandung über dem Beet einen Exklusivplatz gesichert hat.

Ulrike Stüber vom Fachdienst Umwelt mit einer Saattüte
Ulrike Stüber vom Fachdienst Umwelt mit einer Saattüte

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