20. Februar 2021
Geesthacht

Thalia lehnt Bargeld ab

Buchhandlung aus Geesthacht agiert in einer Grauzone

Die Thalia-Buchhandlung im Rewe-Center soll nach dem Lockdown wieder Bargeld annehmen Foto: Palapies

Die Thalia-Buchhandlung im Rewe-Center soll nach dem Lockdown wieder Bargeld annehmen Foto: Palapies

GEESTHACHT So etwas ist Holger Rizmanski noch nie passiert. Als er eine vorbestellte CD in der Thalia-Buchhandlung abholen wollte, wurde seine gewünschte Barzahlung abgelehnt.

Dass Bargeld in der Corona-Pandemie derzeit vielerorts nicht gern gesehen ist, sei das eine, dass die Annahme verweigert wird, etwas anderes. „Noch gelten Banknoten in Deutschland ja als offizielles Zahlungsmittel“, kritisiert der 59-Jährige. Wenn ein Geschäft die Annahme von Bargeld verweigere, „dann wäre es doch das Mindeste, dass es seine Kunden darüber zumindest informiert“, meint Rizmanski.

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) bestätigt, dass immer mal wieder kritische Anfragen zu dem Thema ins Haus kommen. Tatsächlich dürften Geschäfte die Annahme großer Geldscheine, etwa von 200- oder 500-Euro-Noten oder von Münzen in großen Stückzahlen verweigern. Arwers: „Der Umgang damit ist für Geschäfte mit Kosten verbunden.“

Pro Geschäftsvorgang ist die Zahl der Münzen, die angenommen werden müssen, auf 50 beschränkt. „In Deutschland sind Euro-Banknoten das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel. Das heißt, grundsätzlich müssen Händler und Dienstleister Bargeld akzeptieren“, so der VZSH-Experte. Es bestehe aber die Möglichkeit, mit einer Vereinbarung oder in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) Barzahlungen einzuschränken oder auch komplett auszuschließen. „Wichtig ist dabei: In diesem Fall müssen die Anbieter ihre Kunden deutlich und rechtzeitig darauf hinweisen, etwa mit einem gut erkennbaren Aushang“, so Herte.

Thalia-Kunde Holger Rizmanski hat dies eingefordert, „aber ich wollte die junge Verkäuferin bei Thalia ja nicht drangsalieren“. Auf eine E-Mail hat er inzwischen eine Antwort vom Konzern erhalten. „Begründet wird die Weigerung mit technischen Problemen.“ Derzeit wird alles über Tablets mit angeschlossenen Kartenlesegeräten abgewickelt. „Nach dem Lockdown werde wieder Bargeld angenommen, ist mir versichert worden.“

Jürgen Wirobski, Vorsitzender der Wirtschaftlichen Vereinigung Geesthacht, glaubt an einen Scherz: Einzelhändler, die kein Bargeld annehmen, das wirke schon ziemlich kurios, „das habe ich bislang noch nicht gehört“. Menschen, die ihre Geld- oder Kreditkarte vergessen haben, würden ebenso als Kunden ausgeschlossen „wie Personen, die über keine EC-Karte verfügen“.

Wirobski ahnt, so eine Entwicklung würde anderen in die Karten spielen. „Banken und Sparkassen werden jubeln. Sie kommen damit ihrem Wunsch, das Bargeld abzuschaffen, einen Schritt näher.“

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