12. November 2022
Geesthacht

„Tafelsilber“ droht zu verkommen

Personalmangel im Rathaus führt zu Projektstau

Sperrung

Eine Straße ist gesperrt (Symbolfoto). Sanierungsbedarf gibt es genug Foto: Dirk Schulz

GEESTHACHT Ob Straßen oder öffentliche Gebäude: Dem Rathaus fehlen Ingenieure und Techniker, um anstehende Projekte zeitnah abarbeiten zu können.

In der wachsenden Stadt Geesthacht fehlen nicht nur Kitaplätze. Wegen der vielen Projekte kommt offenbar auch das Rathaus mit seinen Aufgaben in einigen Fachbereichen nicht mehr hinterher: „Aufgrund der wachsenden Stadt mit neuen Erschließungsgebieten sowie der Umsetzung der Verkehrswende mit Maßnahmen zum Radwegebau gibt es bereits zum jetzigen Zeitpunkt einen Projektstau im Fachdienst Tiefbau“, heißt es in einer Vorlage für den Finanzausschuss am vergangenen Montag. Sie wirbt bei der Politik um Zustimmung für die Schaffung weiterer Stellen in Geesthacht.

Problematisch ist die Lage beim Personal offenbar auch im Bereich Hochbau und bei Sanierungsaufgaben. So hat der Landesrechnungshof die Situation in Geesthacht bereits kritisch ins Auge gefasst. „In seiner Prüfungsmitteilung weist er darauf hin, dass der Unterhaltung des Liegenschaftsbestandes mehr Aufmerksamkeit zu schenken ist, um dauerhaft den Wert des Liegenschaftsbestandes zu erhalten“, hat die Verwaltung mitgeteilt bekommen. Im Klartext: Geesthacht läuft Gefahr, sein „Tafelsilber“ verkommen zu lassen.

Sanierungen sind fällig

Als Beispiele für die zahlreichen Aufgaben werden von der Verwaltung etwa die Sanierungen der Bundesstraßen B 404/B 5 sowie von Finkenweg, Zöllnersweg und Krümmelstraße genannt, der Ausbau von Dünenstraße und des Knotens Steinstraße/Baustraße sowie die Umgestaltung von Postplatz und Kirschhain. Weitere Projekte sind demnach die Einführung des Kanaltrennsystems in den Straßen Gerstentwiete, Ilenweg/Ilensoll, Stichstraße Fährstieg, die barrierefreie Umgestaltung der Bushaltestellen sowie die Radwegeverbindung vom Freibad in die Oberstadt und die Sanierung der Fahrradstraße Querweg.

Im Fachdienst Tiefbau gibt es derzeit eine Ingenieurstelle für die Fachdienstleitung, drei Projektingenieurstellen, zwei Technikerstellen, einen Wegewart und eine Stelle für die GIS-Betreuung/technische Zeichnerin. Zwei Überlastungsanzeigen lägen bereits vor, berichtete jüngst Fachdienstleiter Jens-Peter Schulz. Für das Haushaltsjahr 2023 werden drei weitere Stellen eingeworben: eine Tiefbauingenieurstelle, eine Tiefbautechnikerstelle und ein Wegewart.

Auch das Personal im Hochbaubereich soll wachsen, um einen Hochbauingenieur und einen Bautechniker auf dann drei beziehungsweise vier Stellen. Die Arbeitsstunden des Technischen Zeichners sollen aufgestockt werden, zudem soll es eine Ingenieurstelle für die technische Gebäudeausstattung geben. Nach einer Empfehlung des Bauausschusses soll es dafür eine volle Stelle geben.

Fraglich bleibt, ob sich die Probleme schnell lösen lassen. „Der Markt für Ingenieure und Techniker ist ganz eng geworden, der Markt ist leer“, erläuterte Jens-Peter Schulz. So konnte eine bereits für das Jahr 2021 eingeworbene zusätzliche Ingenieurstelle erst nach achtmaliger Ausschreibung zum Oktober 2022 besetzt werden.

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