17. September 2022
Geesthacht

Schwermetallen im Nordmeer auf der Spur

Expeditionsteam des Geesthachter Hereon kehrt von Grönlandreise zurück

Das Hereon-Team: Dr. Tristan Zimmermann, Niklas Hempel, Claudia Schmidt, Chantal Mears und Prof. Dr. Helmuth Thomas als Fahrtleiter (v.l.).Foto: Helmholtz-Zentrum Hereon

GEESTHACHT Auch Wissenschaftler auf Expeditionstour haben einen Blick für die Schönheiten ihrer Umgebung: Bei ihr seien besonders die „tollen, einzigartigen Sonnenuntergänge“ in der Erinnerung hängen geblieben, berichtet Claudia Schmidt vom Geesthachter Helmholtz-Zentrum Hereon als Höhepunkt der Reise an die Ostküste von Grönland.

„Die Sonne ist teilweise gar nicht hinter dem Horizont verschwunden, das gab wirklich tolle Lichteffekte. So etwas kriegt man in Deutschland nicht zu sehen“, so Schmidt. Ähnliche Beobachtungen beeindruckten auch Niklas Hempel: „Bei mir war es die Fahrt durch das Eismeer gewesen – bei dem tiefen Sonnenstand.“ Fahrtleiter Professor Helmuth Thomas: „Zum krönenden Abschluss: gab es am letzten Tag noch Nordlichter zu sehen.“ Er ist der Leiter des Instituts für Kohlenstoff-Kreisläufe am Geesthachter Hereon. .

Überhaupt stand die Reise ins Nordmeer vom 6. bis 29. August auf dem unter deutscher Flagge fahrenden Forschungsschiff „Maria S. Merian“ unter einem guten Stern. Selbst die gefürchtete Seekrankheit bereitete kaum Probleme, so ruhig präsentierte sich die See während der drei Wochen. „Die Expedition war extrem erfolgreich bei extrem gutem Wetter“, bilanziert Helmuth Thomas. Wind hatte das Eis aus den Fjorden gedrückt, sodass sie gut befahren werden konnten.
Was steckt im Eis?
Der Himmel zeigte sich bei in der Spitze zehn Grad warmer Luft fast immer blau, normalerweise ist es eher trüb und neblig in dieser Region. „Um zu beurteilen, ob dieses Wetter eine Auswirkung des Klimawandels ist, fehlt mir die Regelmäßigkeit der Erfahrung in diesem Gebiet“, urteilt Helmuth Thomas. Für ihn sei es erst einmal nur Wettergeschehen. „Klimawandel sind die sich immer mehr zurückziehenden Gletscher“, erklärt er.

Von Reykjavik auf Island ging es durch die Dänemark-Straße, das ist die Meerenge zwischen Grönland und Island, bis etwa zur Höhe Spitzbergens im Norden, dort wurde gewendet. Nahe der Ufer und in den Fjorden wurden Wasser- und Sedimentproben genommen, zum Teil unter Einsatz eines Schlauchbootes, auf der To-do-Liste stand auch das Aufnehmen von Schmelzwasser aus dem Eis. Aber auch vom Eis selbst wurden gefrorene Stücke nach Geesthacht verbracht.
Die Forscher aus Polen, Dänemark, Österreich, Norwegen, Finnland und Deutschland gingen dabei unterschiedlichen Schwerpunktthemen je nach ihrem Wissenschaftsgebiet nach.

„Wir vom Hereon sind alles Chemiker, wir wollen wissen, was drin gelöst ist, wir gucken uns das an, was man nicht sehen kann“, erläutert Helmuth Thomas. Das Hereon-Team nimmt die Auswirkungen von Schadstoff- und Klimabelastungen für den Kohlenstoff-Kreislauf ins Visier, untersucht, wie viel CO2 im Meer gebunden oder abgegeben wird. Geforscht wird zu Schwermetallen wie Quecksilber und auch zu Mikroplastik. Erste Ergebnisse der Analysen sollen Ende des Jahres vorliegen.

Wegen der Landnähe konnte im Vorfeld ein Kontakt zu Eisbären nicht ausgeschlossen werden, die gewaltigen Raubtiere zeigten sich dann aber nicht. „Das Gewehr ist ungenutzt zurück im Schrank“, sagt Niklas Hempel. Er war zur Sicherheit an der Waffe ausgebildet worden. An großen Tieren gab es Moschusochsen auf dem Festland zu sehen, Robben, Walrösser und viele Wale im offenen Atlantik.
Die nächste Reise für die Hereon-Abteilung steht schon fest, dann dürfte es ungemütlicher werden: Im November wird vier Wochen lang die Nordsee befahren. Ins Eismeer geht es wieder im nächsten Sommer, dann nach Spitzbergen.

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