12. Februar 2022
Geesthacht

Montag ist jetzt Demotag

Impfpflichtgegner starten zu Protestzügen – alles bleibt friedlich

Impfdemo auf dem Rathausplatz. Auch aus den Fraktionen nahmen einige als Gegendemonstranten teil Foto: Palapies

GEESTHACHT Etwa 100 Protestler gegen die Corona-Maßnahmen und 32 Gegendemonstranten – so viele waren es noch nie. Es wird voller am Montagabend auf dem Geesthachter Rathausplatz, wo sich die Kritiker der Corona-Maßnahmen treffen, um zum Protestzug durch die Innenstadt zu starten. „Wir sind Gegner der Impfpflicht“, stellte einer von ihnen klar, der seinen Namen nicht nennen möchte. So seien einige der Teilnehmer sehr wohl gegen Corona geimpft. Gestartet wurden die „Spaziergänge“ Ende Dezember von 14 Leuten.

Vergangene Woche blieb alles friedlich, die Meinung der Gegendemonstranten wurde im Wesentlichen durch das Hochhalten von selbst gemalten Plakaten geäußert, die meisten standen zusammen und versprühten gute Laune. Es herrschte fast die Stimmung eines Happenings.

Auch Bürgermeister Olaf Schulze mischte sich erneut unter die Menge, stand für Gespräche bereit und räumte ein Missverständnis aus. Es hätte fälschlich geheißen, er habe über die Demonstranten geäußert, man könne mit ihnen nicht reden. „Doch, kann man“, beteuerte er. „Es ist sehr wichtig, dass wir keine tiefen Gräben zwischen uns ausheben, die wir nicht mehr zuschütten können. Wir müssen im Gespräch bleiben.“ „Sehr vorbildlich, dass er sich der Diskussion stellt“, lobte dann auch jemand aus den Kreisen der Impfpflichtgegner.

Um 18 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung zum Rundgang durch die Stadt. Der Aufmarsch der Polizei war moderat. Ein Streifenwagen parkte neben der Wache, ein weiterer begleitete die Demonstranten, er bildete den Abschluss. „Eine klassische Demo ist das hier nicht“, meinte Kai Bretsch vom Geesthachter Polizeirevier. Er konnte keine Lager ausmachen wie Rechts gegen Links. Bretsch: „Was mich besonders freute: Von beiden Seiten haben uns viele ihr Mitgefühl ausgedrückt wegen der beiden erschossenen Kollegen in Rheinland-Pfalz, sogar Kerzen wurden vor die Wache gestellt.“

Doch trotz der bisher unproblematischen Stimmung – die Polizei wird die „Spaziergänge“ weiterhin begleiten, erläutert die Polizeidirektion Ratzeburg. „Es ist eine Gratwanderung. Lassen wir die Kräfte weg, gibt es vielleicht beim nächsten Mal Stress“, erklärt Sprecherin Jacqueline Fischer. „Wir betreiben Recherchen, behalten die einschlägigen Portale im Auge.“ An anderen Orten wurden Versammlungen mit mehr als 100 Teilnehmern aufgelöst, weil die Protestler keinen Mund-Nase-Schutz tragen wollten.

Am Ball bleibt vor Ort auch die Gruppe Omas gegen Rechts. „Wir möchten vor der Unterwanderung von Rechts warnen, was allerdings in Geesthacht nur ein unterschwelliges Problem ist“, räumt Renate López ein. „Außerdem möchten wir für die Impfung werben. Je mehr gesunde Erwachsene geimpft sind, desto weniger Chancen hat das Virus, sich zu verbreiten oder weiter zu mutieren.“

Einer der „Spaziergänger“, der namentlich ungenannt bleiben möchte, wehrt sich vehement, in die rechte Ecke gestellt zu werden, beteuert, Grün- und SPD-Wähler zu sein. Auch ansonsten habe er keinen mit rechter Gesinnung bei den „Spaziergängen“ getroffen. „Da würden wir weggehen und ihn allein stehenlassen“, meint er.

Der Mann ist nicht geimpft, ihm sei die Datenlage zu dünn, das Geschehen zu intransparent. Er fürchte sich vor einem Lobby-Einfluss und gehe davon aus, dass noch einige Demos montags folgen werden, auch wenn die Impfpflicht vom Tisch ist. „Denn wir wollen auch unsere Grundrechte zurückhaben. Das Vertrauen ist weg bei uns.“

Begleitet von einem Streifenwagen ziehen die Protestler durch die Geesthachter Fußgängerzone Foto: Palapies

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