14. Januar 2023
Geesthacht

Große Schiffe liefen vom Stapel

Die Geschichte der Menzer-Werft auf 248 Seiten

Ein Luftbild der Menzer-Werft um das Jahr 1970 Foto: Karl Müller (Heimatbund)

GEESTHACHT Die Kaimauern des ehemaligen Werft-Hafens gegenüber den Neubauten in der Geesthachter Hafencity sind ein stummes Zeugnis für die frühere Nutzung des heutigen Naherholungsgebiets auf der Elbhalbinsel, das seit 2006 offiziell Namen Menzer-Werft-Platz trägt.

Wo heute am Wochenende Hunderte Bürger im über drei Hektar großen Uferpark ihre Freizeit verbringen, im Sommer in den Beachclub gehen oder Beachvolleyball spielen, liefen noch bis 1982 große Pötte vom Stapel – in der Schiffswerft von Ernst Menzer. Unter der Ägide des Reeders und später der seines Sohnes Wilhelm Menzer, wurden ab 1927 bis 1982 über 200 Schiffe gebaut.

Werner Hinsch, Archivleiter des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums und von 1956 bis 1959 Lehrling auf der Werft, hat nun ein 248 Seiten starkes Buch herausgebracht, in dem der 83-jährige Hohnstorfer die Geschichte von den Anfängen bis zum Konkurs mit 315 Abbildungen erzählt.

Es trägt den Titel „Die Schiffswerft Ernst Menzer in Geesthacht“, ist der siebte Band der Schriften des Fördervereins des Elbschifffahrtsmuseums und in der Geesthachter Tourist-Information, im Elbe-Schifffahrtsmuseum Lauenburg und der Buchhandlung Fuchs in der Hamburger Hafencity (Shanghaiallee 12) zum Selbstkostenpreis von 31 Euro erhältlich.

Dafür sammelte Werner Hinsch, der nach der Lehre bei Menzer Schiffsbau studiert hat, über Jahre Dokumente und befragte Zeitzeugen. Dazu gehören der heutige Bürgermeister von Hamwarde, Friedrich-Wilhelm Richard, der als technischer Zeichner von 1962 bis zum Ende 1982 dabei war und weitere ehemalige Mitarbeiter wie Günter Sens senior und junior, um nur einige zu nennen. Als der tunesiche Auftraggeber zwei Raten für ein Schifg nicht bezahlte, musste die Menzer-Werft 1982 Konkurs anmelden. „Das war aber nur Auslöser und nicht Ursache für die Pleite“, sagt Hinsch. Die sei auf die europäische Werftenkrise zurückzuführen.
Nach dem Konkurs wurde unter dem Namen SWG-Schiffswerft Geesthacht GmbH ein Neuanfang mit dem Bau und der Reparatur von kleineren Schiffen gewagt. Doch auch dieses Unternehmen meldete 1987 Konkurs an.

Um die Jahrtausendwende wurde die Elbhalbinsel zum Freizeitpark umgewidmet, alle Gebäude abgerissen. 2002 wurde die Hafenbrücke eingeweiht, 2006 das im Volksmund „Roter Platz“ genannte Areal offiziell in „Menzer-Werft-Platz“ umbenannt.

Wer mehr über die Menzer-Werft wissen will: Am 19. Januar 2023 hält Buchautor Werner Hinsch einen Vortrag in der Christuskirche am Neuen Krug

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