20. Februar 2021
Geesthacht

Der Wilde Westen fängt in Grünhof an

Marion Adamus näht stilechte Westernkleider

An ihrer Nähmaschine zaubert Marion Adamus Westernromantik Foto: Denise Ariaane Funke

An ihrer Nähmaschine zaubert Marion Adamus Westernromantik Foto: Denise Ariaane Funke

GEESTHACHT Laut der Countryband Truck Stop fängt der wilde, Wilde Westen gleich hinter Hamburg an. Wenn man Marion Adamus im Geesthachter Stadtteil Grünhof besucht, kann man den Liedzeilen locker Glauben schenken; die passionierte Hobbyschneiderin näht detailverliebte und außergewöhnliche Westernkleider.

Alles begann im Jahr 2010 mit einem Besuch in dem Westernstadt Freizeitpark „Pullman City“ im Harz. „Wir waren mit Freunden dort und ich war sofort fasziniert von der Lebensart“, erinnert sich die 61-Jährige. Dabei hat sie mit Westernfilmen eigentlich gar nichts am Hut – und ein Kleid, das ihr gefiel, war dort auch nicht zu finden. Aber der Wild-West-Stil ließ sie nicht mehr los. „Ich habe mir Stoff besorgt und ein eigenes Kleid genäht“, sagt die ehemalige Friseurin.

Die hochwertigen Korsagen kommen aus England „Mit einem Westernkleid kann sich jede Frau den Traum erfüllen, einmal Prinzessin zu sein“, schwärmt die Geesthachterin. „Zuerst wird der Unterrock genäht, dann kommt die obere Lage dazu. Pro Rock sind das locker drei Meter Stoff“, erklärt Marion Adamus: „Das Besondere an einem Westernkleid ist, dass es mehrteilig und daher mit anderen Kleidungsstücken kombinierbar ist.“

Korsagen aus England

Nur die Korsagen näht sie nicht selbst, die werden über das Internet aus England bezogen. „Dort werden die besten Korsagen hergestellt. Der Unterschied liegt in den Stäben, die in den englischen sind aus gedrehtem Metall, die anderen meistens aus Plastik, und die verformen sich schnell beim Tragen“, erklärt die Hobbynäherin. Je nach Aufwand sitzt sie mehrere Tage an einem Kleid. „Wenn viel Spitze vernäht wird, ist das schon ziemlich zeitintensiv, zum Schluss wird immer das Rockband am untersten Saum angebracht.“

Die Stoffe bezieht sie gern direkt in Geschäften. „Im Internet sieht man nicht, wie ein Soff fällt und wie er beschaffen ist“, sagt sie. „Ausgeführt“ wurden ihre Kleider zunächst in „Pullman City“. „Nach und nach wollten immer mehr Freundinnen Kleider haben, die ich ihnen nähte. Mein Mann kam auf die Idee, dass ich das gewerblich machen könnte“, erinnert sie sich. Gesagt, getan: Der entsprechende Kleingewerbeschein war schnell beantragt und Marion Adamus fuhr die nächsten Jahre regelmäßig nach „Pullman City“, um dort ihre Westernkleider zu verkaufen.

„Ich habe dort wirklich richtig gut verkauft. Das Problem war, dass die gewerblichen Händler eifersüchtig wurden. Meine Kleider gefielen den Frauen, da sie nicht ganz so hochgeschlossen waren und meine Korsagen über den Kleidern getragen werden. Das fanden die Händler nicht gut, die hielten wiederum an dem ,Oldstyle’ fest, also eher so wie bei ,Unsere kleine Farm’“, erinnert sich Adamus, die ihre Zelte im Harz abbrach und sich ein kleines Studio in ihrem Haus einrichtete.

„Die Corona-Krise spüre ich auch. Schließlich finden keine Feste und Veranstaltungen mehr statt. Deshalb habe ich entsprechend wenig Aufträge“, berichtet Adamus, die sonst für Line-Dance-Gruppen, Western-Ladies und -Bräute ihre traumhaften Kleider näht. „Gewöhnlich habe ich zweimal im Jahr einen Tag der offenen Tür, dann ist es hier rappelvoll“, sagt Marion Adamus. Einen kleinen Einblick in ihre Nähkunst gibt es auf der FacebookSeite „Western Style für Ladies“.

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