26. August 2020
Bramfeld

Ein Kampf auf verlorenem Posten?

Zukunft der Nikodemuskirche steht auf des Messers Schneide

Die Kirche mit dem wunderschönen Innenraum ist ein magischer Ort für Gottesdienste. Die Zahl der Mitgliedsbeiträge ist aber während der Corona-Pandemie noch einmal gesunken Foto: Grell

OHLSDORF Wie es mit der Nikodemuskirche in Ohlsdorf weitergeht, steht noch in den Sternen. Die Finanzen sind allgemein in den Kassen der Kirchenhäuser knapp und auch die fusionierte Gemeinde in Ohlsdorf/Fuhlsbüttel, zu der neben der Nikodemuskirche auch die Kirche St. Marien gehört, müssen jetzt für einen der Standorte eine Entscheidung treffen.

„Wir müssen sehen, was mit dem Standort an der Fuhlsbüttler Straße passiert“, erklärt Pastorin Stefanie Günther, denn für den Erhalt beider Gebäude reiche das Geld einfach nicht aus. Da die Kirche St. Marien als Kulturstätte mit Orgel bereits im Jahr 2016 mit einem „A“ bewertet wurde und die Nikodemuskirche nur mit einem „C“, betrifft die Entscheidung durch die Synode des Kirchenkreises Hamburg-Ost allein das gelbe Backsteingebäude von 1959.

„Der Förderverein will die Kirche auf jeden Fall erhalten“, betont Günther, der Kirchengemeinderat spricht von möglichem Abriss. Die vergangene Gemeindeversammlung hat nun verschiedene Möglichkeiten für eine Lösung aufgezeigt. Es könnten beispielsweise die Kita und das Gemeindehaus abgerissen und das Gelände für den Bau einer neuen Kita sowie für Wohnungsbau verpachtet werden. Es besteht theoretisch aber auch die Möglichkeit, dass für das Kirchengebäude keine Nachmietung gefunden wird und dieses dann für andere Projekte wie Wohnungsbau ebenfalls weichen muss. „Menschen hängen an ihren Kirchen“, weiß die Pastorin, „weil dort Hochzeiten, Taufen und Konfirmationen stattgefunden haben.“ Zudem bringen die Bauwerke Charakter in die Quartiere. „Trotzdem gibt es die eindeutige Entwicklung in den Kirchengemeinden, die zeigt, dass die Mitgliedszahlen sinken“, bedauert Günther. Auch die Corona-Pandemie habe die Kirchensteuerzuweisungen noch einmal um 25 Prozent einbrechen lassen: „So gern wir alle Kirchen erhalten würden, zwingt uns die Entwicklung in der Gesellschaft zum Umdenken.“
Thema ist die Zukunft der Nikodemuskirche schon seit vier Jahren und wenn die Gemeinden nicht immer weiter Personal sparen wollen, müssen Standorte zusammengelegt und auch ganz aufgegeben werden. Günther: „Wir haben die Verantwortung für die gesamte Kirchengemeinde – und die Kosten für Heizung, Sanierungen und die Unterhaltung der Kirche sind hoch.“ Ob die Kirche einer anderen Nutzung zukommt, Nebengebäude abgerissen und das Gelände verpachtet oder vielleicht der gesamte Standort aufgegeben wird und hier außer einer neuen Kita Wohnungen entstehen, wird demnächst entschieden: „Viel Zeit bleibt nicht mehr.“

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