12. August 2020
Bramfeld

Die Folgen des Raubbaus

Warum Wälder zu Forstplantagen wurden, erklärt ein Historiker

Forstplantagen statt Mischwälder: Besonders Monokulturen von Fichten oder Kiefern halten dem Klima heute nicht mehr stand Foto: Haas

Steilshoop Wer fragt, warum heutige Wälder so langweilig sind, erfährt mehr durch die Geschichte. Zur „größten Energiekrise“ kam es nämlich bereits vor 200 Jahren. Der Historiker Dr. Martin Kersting hält dazu einen spannenden Vortrag im „Salon de Steils“.

Um 1800 hätten die Menschen in Europa fast ihren gesamten Wohlstand riskiert. Schuld daran trage der mehr als 800 Jahre lang betriebene Raubbau an der Natur. Riesige Wälder wurden damals abgeholzt, verbaut oder verfeuert im Metallhandwerk und von Glasherstellern. Sogar um Bäume aus eher unwirtlichen Gegenden gab es Verteilungskämpfe. So riskierten etwa Flößer aus dem Schwarzwald laufend Überfälle beim Holztransport auf dem Rhein nach Holland. Mit zunehmendem Kohleabbau im Ruhrgebiet, im Saarland und in Oberschlesien bekamen Wälder wieder eine Chance: Doch die wurde mit der einsetzenden Forstwirtschaft verspielt: durch die Anpflanzung großer Fichten- und Kiefern-Monokulturen. So entstanden „Stangenäcker“. Diese Monotonie präge bis heute die Mehrzahl der Flächen, „die wir als Wald bezeichnen“, sagt Kersting. In der Romantik hätten Maler und Dichter den Wald erst zum Kult erhoben, als er schon zunehmend verschwand. Kerstings Vortrag macht die wenig bekannte Geschichte im 18. und
19. Jahrhundert zum Thema.

Mittwoch, 19. August, 19 Uhr Quartierszentrum Gropiusring 43, Eintritt frei

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