15. Januar 2022
Borgfelde

Betrugsversuch an Seniorin geplatzt

Polizei vermieste ein 70.000-Euro-Geschäft

Justizia

BORGFELDE Am Abend des 24. Oktober 2020 erhielt Gerlinde K. (69)* aus Borgfelde einen dramatischen Anruf. Es meldete sich eine Frau, die sich als Staatsanwältin „Frau Weber“ ausgab. „In Borgfelde treiben sich Einbrecher herum, die es auf Ihr Vermögen abgesehen haben“, erklärte die Anruferin der gehbehinderten Dame.

Die Anruferin war keine Staatsanwältin, sondern eine Betrügerin. Der jetzt völlig aufgeregten Frau aus Borgfelde bot sie an: „Ich schicke Ihnen morgen Polizeibeamte, die Ihr Geld abholen und in Sicherheit bringen!“
Gerlinde K. konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Sie wollte früh aufstehen, ihr Geld, 70.000 Euro, bei der Bank abheben und dann auf weitere Anweisungen der „Staatsanwältin“ warten.

Doch die Hamburger Polizei hat zum Glück Methoden entwickelt, gemeine Trickbetrüger zu überlisten. Die echten Beamten hatten einen Hinweis bekommen, dass das Vermögen von Frau K. gefährdet sei. Sie standen früher auf, als die Betrüger.

Um 7.30 Uhr suchten sie Gerlinde K. auf und wiesen sich als echte Beamte aus. Ihnen gelang es, die Geldabholer, die am Morgen des 25. Oktober von Berlin aus nach Borgfelde gefahren waren, festzunehmen.

Die Abholer, Michael H. (25) und Nikica M. (24) wurden jetzt wegen versuchten bandenmäßigen Betrugs von einem Schöffengericht in St. Georg verurteilt. Michael H. zu einem Jahr und zehn Monaten, Nikica M. zu einem Jahr und vier Monaten. Beide erhielten Bewährung. Außerdem müssen sie jeweils eine Geldbuße von 1200 Euro an einen Hilfsfond für die Opfer von Straftaten zahlen.

In der Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende Richter: „Das war eine äußerst mitleidlose Tat gegenüber eines schwachen Mitmenschen!“ Nur durch die Mitarbeit von Gerlinde K. gelang es der Polizei, die beiden Betrüger zu fassen. Die Haupttäter, die vermutlich aus der Türkei bei ihr anriefen, hatten ihr am Morgen des 25. Oktobers ein Taxi geschickt.

Damit sollte sie zu ihrer Bank fahren und 70.000 Euro abholen.
Nachdem Gerlinde K. wieder in ihrer Wohnung war, verlangten die Betrüger von ihr „Lesen Sie uns die Seriennummern der Banknoten vor!“ Eine Stunde dauerte die Vorleseaktion. Dann wurde Frau K. aufgefordert, das Geld in einem Umschlag vor einer Mülltonne am Grevenweg/Ecke Eiffestraße abzulegen.

Als die jungen Angeklagten den Umschlag aufnahmen und bemerkten, dass sie nur Papierschnitzel bekommen hatten, war es zu spät, um zu flüchten. Polizisten hatten sie eingekreist.

*Name des Opfers geändert

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