10. September 2022
Schwarzenbek

Streit um Stellplätze

Sanierung der Danziger Straße: Grüne wollen Radwege statt Parkplätze

Klaus Jennrich (FWS) Foto: Marcus Jürgensen

SCHWARZENBEK Die Wurzeln der Bebauung rund um die Kollower Straße reichen noch bis in die 1940er-Jahre zurück: Für Arbeiter in den Fabriken der Europastadt wurden die ersten Mehrfamilienhäuser gebaut, weitere folgten nach Kriegsende, um der Wohnungsnot zu begegnen. Weil damals kaum jemand ein Auto hatte, sind die Straßen entsprechend eng – und es mangelt im gesamten Quartier an Stellplätzen.

Im Zuge der Sanierung der Danziger Straße könnte sich das nun ändern. Im Bereich zwischen Am Haselgrund und Kollower Straße muss die Regen- und Schmutzwasserkanalisation erneuert werden. Da die Rohre unter der Straßendecke verlegt wurden, muss diese aufgerissen und auf Kosten des Abwasserbetriebs erneuert werden. Im ersten Teilbereich zwischen Stettiner Straße und Am Haselgrund wurde die Fahrbahn verbreitert und der Gehweg auf eine Seite verlegt und ebenfalls verbreitert, um Fußgängern mehr Platz zu schaffen. Ähnliches hatte die Bauabteilung des Rathauses auch mit dem zweiten Bauabschnitt vor.

Parkdruck lindern durch schräg geparkte Autos

Dann jedoch kam ein Hinweis von Klaus Jennrich (FWS): Der ehemalige Planungsingenieur regte an, die Fahrzeuge künftig in Schrägaufstellung parken zu lassen. So könnte man den Parkdruck im gesamten Quartier lindern. Das Problem: Dafür müsste die Stadt auf einer Breite von 2,60 Meter Grünflächen vom Wohnungsunternehmen erwerben, dem die Mehrfamilienhäuser gehören. „Wir werten das Quartier auf und mindern den Parkdruck“, so Jennrich, der davon ausgeht, dass dies auch im Interesse des Eigentümers sei, der der Stadt dann einen guten Preis machen würde.

Kritik an dieser Vorgehensweise kam im Bauausschuss nicht nur von Helmut Stolte (FDP), sondern auch von Heinz-Werner Rose (SPD). Sie bemängeln, dass Stadt und Abwasserkunden für eine Verbesserung des Wohnquartiers zahlen, dies aber eigentlich eine Aufgabe des Wohnungsunternehmens wäre. Als „nicht richtungsweisend“ sieht Kolja Ronneberger (Grüne) das Sanierungskonzept: „Wenn wir weitere Parkplätze herstellen, wird der Autoverkehr nicht weniger.“ Er fordert statt Parkplätzen Radwege anzulegen. Es gehe dabei um Bürger der Stadt, deren Wohl die Politiker im Blick haben sollten, argumentierte hingegen Teja Witt (CDU). Letztlich entschieden sich die Bauausschussmitglieder mit sechs zu drei Stimmen, beide Varianten weiterzuentwickeln und auszuloten, zu welchem Preis der Vermieter die Grünflächen abtreten würde.

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