4. Juni 2021
Schwarzenbek

Chinesischer Traum ist ausgeträumt

Erst Handelszentrum – dann nur ein Showroom

Eine Delegation besucht, angeführt vom damaligen Bürgermeister Frank Ruppert (r.), Haimen und bestaunt 2009 ein Modell vom Handelszentrum des Unternehmers Zhonghui Zhu. Etwas ähnliches sollte in Schwarzenbek entstehen Foto: Marcus Jürgensen

Eine Delegation besucht, angeführt vom damaligen Bürgermeister Frank Ruppert (r.), Haimen und bestaunt 2009 ein Modell vom Handelszentrum des Unternehmers Zhonghui Zhu. Etwas ähnliches sollte in Schwarzenbek entstehen Foto: Marcus Jürgensen

SCHWARZENBEK Die Ansiedlung chinesischer Firmen als Arbeitsplatz- und Wirtschaftsmotor in Schwarzenbek war vor mehr als zehn Jahren ein Traum, der Politik, Wirtschaft und Verwaltung zu ungeahnten Höhenflügen verleitete.
Sogar der damalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) war mit in China, um einen Vertrag über die Einrichtung eines Handelszentrums in Schwarzenbek mit dem Unternehmer Zhonghui Zhu zu unterzeichnen.
Die Ernüchterung kam relativ schnell, als aus dem geplanten Handelszentrum mit 1000 Beschäftigten ein Textilgroßhandel mit drei chinesischen Mitarbeitern in einem ehemaligen Aldi-Markt an der Buschkoppel wurde. Mittlerweile ist auch der Verkaufsraum an der Buschkoppel nicht mehr da.
„Das Konzept mit hochwertiger Bettwäsche im Direktverkauf hat so nicht funktioniert. Das European Textile Center bleibt uns aber mit einem Büro erhalten und wird weiterhin von Schwarzenbek aus Großhandel im europäischen Raum betreiben“, sagt Ralf Hinzmann, der im Rathaus seit mehr als zehn Jahren für die China-Kontakte zuständig ist.
Den Showroom haben die Chinesen bereits geschlossen und ausgeräumt. Insgesamt 1000 Quadratmeter Fläche haben sie an eine Firma aus Mölln vermietet, die Aufzüge und Rauchabzugsanlagen verkauft. „Die Entwicklung ist schade. Wir haben uns sehr viel mehr versprochen, als wir damals nach China gereist sind“, sagt Egon Siepert (CDU), der zur Zeit erster Chinakontakte 2008/2009 Erster Stadtrat war.

Mit 1000 Arbeitsplätzen war gerechnet worden

Mit bis zu 1000 Arbeitsplätzen, die in 300 kleinen Textilfirmen in einem Handelszentrum nach chinesischem Vorbild entstehen sollten, hatten die Verantwortlichen in der Stadt gerechnet. Auch eine chinesische Schule für die Kinder der Mitarbeiter des Handelszentrums war im Gespräch. Viele Akteure des großen China-Deals lernten die Sprache in Volkshochschulkursen. Mit Haimen wurde auch eine Städtepartnerschaft ins Leben gerufen.
Die große Euphorie kühlte sich allerdings schnell ab, als nach der Vertragsunterzeichnung erst einmal wenig passierte. Es gab Gespräche mit der LMT Group über den Kauf der Schafwiese an der Grabauer Straße für den Bau des Handelszentrums. Die Verhandlungen verliefen im Sande und das Handelszentrum rückte in weite Ferne. 2010 gründete Geschäftspartner Zhonghui Zhu die Firma ETC, die dann 2014 ihren Showroom an der Buschkoppel bezog.

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