19. August 2020
Reitbrook

Alte Tomatensorten liegen ihnen am Herzen

Verein Tomatenretter versendet Saatgut weltweit

Tomaten

Hilmar Kunath, Gründungsmitglied der Tomatenretter, ist stolz auf die Sortenvielfalt. Hier zeigt er Tomaten der Sorte Aladins Lamp Fotos: Gabriele Kasdorff

REITBROOK Das beliebteste Gemüse der Deutschen, mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 25 Kilogramm, ist die Tomate. Diesem vielseitigen Gemüse haben sich die Tomatenretter verschrieben. Sie gründeten vor 7 Jahren den gleichnamigen Verein. Von den Impulsgebern und Gründern sind Arndt Niemeyer (43) und Hilmar Kunath (71) noch dabei.

Heute gibt es 195 Fördermitglieder und etwa zwei Dutzend Aktive, die die Arbeit in verschiedene Gruppen aufgeteilt haben. Auf 1,5 Hektar Land und 1500 Quadratmetern unter Glas in drei Gewächshäusern bauen sie am Reitbrooker Hinterdeich 291 an, haben mehr als 300 Tomatensorten katalogisiert.

Umweltpädagogin Madeleine Meixner (27) gehört zu den Aktiven: „Wir sind eine Gemeinschaft, die naturnah und solidarisch lebt. Wir betreiben ein nachhaltiges Konzept mit natürlichem Ökosystem und Kreislaufwirtschaft.“ Der Wunsch nach schmackhaftem Gemüse war der Grund, mit dem Pflanzen zu beginnen. Schnell entdeckten die Retter, dass altes, sortenreines Gemüse reichhaltiger schmeckt als die Hybrid-Züchtungen, die es im Supermarkt zu kaufen gibt. „Es geht auch um Vielfalt“, sagt Tomatenretter Jan Schild. Ihm schmecken alte Sorten wie Rosa Sibirian Tiger oder Gelbe Krim besonders gut.

Wer hier mitarbeitet, kann vieles lernen: So sorgen Beipflanzungen wie Basilikum und andere Kräuter dafür, dass Bienen die Pflanzen bestäuben. Knoblauchpflanzen vertreiben Wühlmäuse und Schafswolle hält von Mais, Bohnen und Kürbissen die Schädlinge fern. Eine neu konzipierte Bewässerungsanlage, bei der das Wasser nicht von oben auf die Pflanzen gesprengt wird, sondern sanft auf die angehäufelten Erdhügel mit den Tomatenpflanzen tropft, hat den Ertrag verdoppelt. „Bis zu zwei Tonnen Tomaten ernten wir hier“, sagt Hilmar Kunath.

Weitere Tomatensorten werden immer wieder bei Bioversänden bestellt und getestet. Wenn die Tomatenkenner mehrheitlich zufrieden sind, werden diese Pflanzen in den Anbau integriert. Kunath: „Wir versenden unser Saatgut innerhalb Deutschlands, aber auch in Länder wie Kambodscha, Uruguay, Guatemala, Honduras und Venezuela.“ Das Saatgut werde auf Spendenbasis um die Welt geschickt. „Uns geht es um die Sache und um den Erhalt einer samenfesten Tomatenvielfalt“, erläutert der 71-Jährige.

Der Verein bietet regelmäßig Kurse zu naturnaher Gartenarbeit an, www.tomatenretter.de

Vielfalt
Odile Hain und Claudia Wegener-Bracht auf dem Gelände am Reitbrooker Hinterdeich

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