26. August 2020
Reinbek

Klinik erweitert Corona-Station

St.-Adolf-Stift: Drei zusätzliche Langzeitbeatmungsgeräte beschafft

Corona

Pflegekräfte der Isolierstation mit den Leitungen Nadine Röpke (unten rechts) und Habib Haxha (oben rechts): „Wir sind vorbereitet für eine zweite Welle, haben ausreichend Schutzkleidung und neue Schnelltests“ Fotos: Andrea Schulz-Colberg

REINBEK Das Krankenhaus St. Adolf-Stift zieht eine positive Zwischenbilanz zur Versorgungslage in der Corona-Pandemie und sieht sich für eine mögliche zweite Welle gewappnet.

„Wir hatten uns im Frühjahr auf mehr Covid-19-Patienten eingestellt und waren vorbereitet. Wir waren erleichtert, dass die erste Welle uns nicht hart getroffen hat“, sagt der Ärztliche Direktor des Krankenhauses, Prof. Stefan Jäckle. Geschäftsführer Björn Pestinger findet: „Wir haben unseren regionalen Versorgungsauftrag mit täglich wachsender Routine gut gemeistert; innerhalb kürzester Zeit wurde im St. Adolf-Stift bei laufendem Betrieb eine getrennte Covid-Klinik aufgebaut mit allem, was logistisch und personell dazu gehört. Es wurde nicht nur ein getrennter Covid-Röntgenbereich aufgebaut, sondern in wenigen Wochen durch Umbaumaßnahmen in Höhe von 250.000 Euro weitere Beatmungsplätze geschaffen. Mit Unterstützung des Landes konnten für das St. Adolf-Stift auch drei zusätzliche der weltweit stark nachgefragten Langzeitbeatmungsgeräte beschafft werden“, so Pestinger.

Bis heute hat das Krankenhaus Reinbek 400 Verdachtspatienten auf Sars-Cov-2 getestet, wovon 34 Tests positiv waren. Die meisten der 34 Covid-19-Patienten wurden nach einigen Wochen auf der Isolierstation geheilt nach Hause oder in ein Pflegeheim entlassen. Acht Menschen im Alter zwischen 75 und 105 Jahren sind verstorben. Sie litten an mehreren Vorerkrankungen und hatten darum in der Regel eine Patientenverfügung, nach der sie nicht beatmet oder intensivmedizinisch behandelt werden wollten.

Glücklich sei man darüber, dass eine Verbreitung innerhalb der Belegschaft oder Patienten konsequent verhindert werden konnte, so der stellvertretende Ärztliche Direktor Tim Strate: „Wir haben nicht nur großzügig alle Mitarbeitenden und Patienten bei kleinsten Anzeichen einer Erkältung getestet, sondern allen Mitarbeitern einen freiwilligen wöchentlichen Rachenabstrich und eine Blutprobe auf Antikörper ermöglicht.“ Das Ganze fand von Mitte April bis Mitte Juni im Rahmen einer Langzeitstudie statt, die beim Deutschen Register für klinische Studien und der WHO registriert war. Es beteiligten sich 871 Beschäftigte an der Studie (80 Prozent der Belegschaft). In zwei Monaten wurden über 5300 Abstriche und 2100 Blutuntersuchungen auf Antikörper durchgeführt. Drei Teilnehmende wurden positiv auf das Coronavirus getestet und unmittelbar isoliert.

Die Krankenhausleitung zieht eine positive Zwischenbilanz. Offenbar stecken sich Krankenhausmitarbeitende trotz ihres Arbeitsumfelds nicht häufiger an als andere Menschen. Auch die Kommunikation mit den Gesundheitsämtern aus der Region, der Rettungsleitstelle, den niedergelassenen Ärzten und Pflegeheimen habe gut funktioniert.
Das Krankenhaus kann nun außerdem über ein externes Labor einen der begehrten Schnelltester einsetzen, so dass die Ergebnisse innerhalb von wenigen Stunden statt Tagen zur Verfügung stehen. „Das ist jetzt ein Vorteil, wo die Verdachtsfälle wieder steigen“, sagt Krankenhaushygienikerin Dr. Elke Wittkowski. „Vergangene Woche mussten wir aufgrund der erhöhten Belastung der Labore durch die Tests an Reiserückkehrern plötzlich wieder lange auf die Ergebnisse warten. Mit dem Labor haben wir jetzt ganz neu drei Zeitslots für Schnelltests verabredet, so dass das Behandlungsteam und die Patienten schneller Bescheid bekommen, ob eine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt oder nicht.“

Lunge
Krankenhaushygienikerin Dr. Elke Wittkowski (r.) mit den Pflegekräften Nadine Röpke und Habib Haxha. Im Vordergrund ist das mobile Röntgengerät zu sehen, das extra für die oft lungenkranken Patienten angeschlossen wurde

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